08.10.2014

Wohnungen in der Brunnenstraße 51 bereits sehr begehrt: Nach Sanierung Schlüssel nun an DOGEWO21 übergeben

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Mittwoch, 8. Oktober 2014

Presseinformation der Stadt Dortmund:

Wohnungen in der Brunnenstraße 51 bereits sehr begehrt: Nach Sanierung Schlüssel nun an DOGEWO21 übergeben

 

Nach rund dreizehnmonatiger Sanierungszeit ist aus dem ehemals herunter gekommenen Haus an der Brunnenstraße 51 ein wahres Schmuckstück geworden. Zu verdanken ist das einem Projekt, an dem viele Partner engagiert mitgewirkt haben. Ihr gemeinsames Ziel heißt, die Abwärtsspirale von Häusern in der Nordstadt zu durchbrechen, indem man sie ankauft, saniert und nachhaltig wieder an den Markt bringt. An der Brunnenstraße 51 ist das gelungen. Heute konnte Andreas Koch von der Stiftung soziale Stadt im Beisein von Oberbürgermeister Ullrich Sierau und Vertretern der Partner die Schlüssel an Klaus Graniki von DOGEWO21 überreichen. Das städtische Wohnungsunternehmen wird die zehn Wohnungen (2 Zi, KDB, Balkon) jetzt zum Preis von 5,10 Euro pro Quadratmeter an den Markt bringen. Das Interesse ist groß!

Oberbürgermeister Ullrich Sierau ist begeistert, wie gut die recht komplizierte Projektarchitektur in der Praxis funktioniert hat: „Hier haben alle Beteiligten eine wunderbare Wertschöpfungskette geschaffen: Langzeitarbeitslose kamen sinnvoll in Arbeit, Jugendlichen konnten sich beruflich orientieren und Erfahrungen sammeln, lokale Handwerker bekamen Aufträge und unter dem Strich wurde das Geld im Viertel gehalten. Das alles war und ist gut für die Nordstadt.“
Mit zehn Langzeitarbeitslosen und Praktika arbeitsloser Jugendlicher aus Förderprogrammen des Jobcenters wurde das Projekt von der Grünbau gGmbH angegangen. Alle vorbereitenden und alle einfachen Bautätigkeiten übernahm GrünBau selbst. Bei qualifizierteren Gewerken, wie etwa der Sanierung des Dachstuhls oder der Elektrik, griff man auf Fachbetriebe aus der Nordstadt zurück.

Projektvorlauf

Seit einigen  Jahren geht  der Begriff der ‚Ekelhäuser’ durch die Presse. Gemeint sind herunter gewirtschaftete Immobilien von verantwortungslosen Eigentümern, in denen ganz am Ende ihrer Abwärtsspirale entweder Matratzenlager vermietet oder die von  Wohnungslosen genutzt werden. Müll, Unrat und Schädlingsbefall sind die Folge. Insbesondere das Umfeld dieser Häuser leidet, die Nachbarn wollen wegziehen.

Im Sommer 2013 fiel der Startschuss zu dem Projekt, das diese Abwärtsspirale stoppen soll. Und mehr noch: Mit der Sanierung des Hauses in der Brunnenstraße sollte ein positiver Schneeballeffekt erzielt werden, der die Sanierung weiterer Gebäude in der Nordstadt nach sich zieht und mittelfristig das gesamte Quartier aufwerten könnte.

Umsetzung

Das Projekt wurde im Kuratorium der Stiftung Soziale Stadt geplant. DOGEWO21 kaufte das Haus Brunnenstraße 51 gemeinsam mit weiteren Problemimmobilien von einem privaten Investor auf. Die Sanierung des Gebäudes sollte nicht konventionell geschehen. Außer in Steine sollte auch in die Zukunft der Nordstadtbewohner - von denen viele arbeitslos sind - investiert und die lokale Ökonomie im Quartier gefördert werden. Daher kaufte die Stiftung Soziale Stadt das Gebäude wiederum von DOGEWO21, um dieses Konzept umzusetzen. Nun nach vollendeter Sanierung erfolgt die Rückabwicklung: die Stiftung veräußert das Gebäude wieder an DOGEWO21, um aus dem Erlös die nächste Problemimmobilie aufzuwerten.

Finanzierung

Dass dieses ehrgeizige Projekt nicht vollkommen ohne Zuschüsse auskommen konnte, liegt auf der Hand. Das Investitionsvolumen für Kauf und Sanierung des Objektes an der Brunnenstraße lag bei rund einer Million Euro. Um das Projekt zu stemmen und das Brunnenstraßenviertel zu stabilisieren, zogen viele Akteure an einem Strang. Die EDG übernahm die kostenlose Entsorgung des zurückgelassenen Mülls und des Bauschutts, DEW21 spendierte Baustrom und Wasser, die Sparkasse gab 75.000 Euro in den Topf. Das Jobcenter Dortmund förderte mit Lohnkostenzuschüssen die Wiedereingliederung der Langzeitarbeitslosen, die bei der GrünBau gGmbH eine neue und sinnvolle Tätigkeit gefunden haben. Der größte Posten kam hingegen aus Düsseldorf: in die Sanierung des Projektes flossen Wohnraumfördermittel des Landes NRW in Höhe von 572.200 Euro, mit denen auch Barrierefreiheit und eine Solaranlage finanziert wurden.

Koch dankte allen Geldgebern und Sponsoren für die großzügige Unterstützung: „Ohne die zusätzlichen Spendenmittel wären die Zusatzkosten durch die aufwändige Projektkonstruktion nicht zu stemmen gewesen.“ 
„Gerne unterstützen wir Projekte, die unsere Stadt wieder ein Stück lebenswerter machen. Dieses Gemeinschaftsprojekt ist ein gelungenes Beispiel dafür, dass viel erreicht werden kann, wenn alle an einem Strang ziehen“, betonte Bernd Gregor für die Sparkasse Dortmund.

„Die überaus gelungene und schöne Renovierung des Hauses Brunnenstraße ist eine sichtbare Visitenkarte für die Motivation und Leistungsfähigkeit langzeitarbeitsloser Menschen in unserer Stadt. Die gelungene Kombination von Stadterneuerung und Beschäftigungsförderung ist wegweisend“, meint Frank Neukirchen Füsers, Geschäftsführer des Jobcenters.

 „Auch DEW21 hat das wichtige Gemeinschaftsprojekt gerne unterstützt und Energie & Wasser für den Umbau beigesteuert“, so Dr. Frank Brinkmann, Vorsitzender der DEW21-Geschäftsführung. „Wir freuen uns, einen Beitrag zur höheren Wohnqualität für die dort Lebenden und die Aufwertung der Nordstadt leisten zu können.“

Matthias Kienitz von der EDG wies darauf hin, dass sein Unternehmen sich in vielfältiger Weise in der Nordstadt engagiere. „Deshalb war es eine Selbstverständlichkeit, auch dieses tolle Projekt zu unterstützen.“

Neuvermietung

Das wunderschöne, kernsanierte Gebäude mit 10 Wohneinheiten (2 Zi, KDB, Balkon) geht nun zu einem Quadratmeterpreis von 5,10 Euro in die Neuvermietung. Insbesondere sind die kleinen Wohnungen für Studenten/Wohngemeinschaften, Paare und junge Familien interessant. Die Nachfrage ist bereits sehr groß, wie DOGEWO21-Geschäftsführer Klaus Graniki bestätigt: „Aus der ehemaligen Problemimmobilie ist ein wunderschönes Wohnhaus geworden! Das Projekt ‚Brunnenstraße 51’ trägt zur Aufwertung des Quartiers bei und hat Signalwirkung auch über die Dortmunder Nordstadt hinaus. Das zeigen auch die durchweg positiven Reaktionen aus Politik und Wohnungswirtschaft, die wir erhalten haben. Und unsere neuen Mieter werden sich – da bin ich sicher – hier wohlfühlen.“

Signalwirkung

Andreas Koch freut sich über die positive Signalwirkung, die von dem Haus bereits ausgeht: „Bereits ganz am Anfang der Baumaßnahmen meldete sich der Eigentümer des Nachbarhauses und sicherte uns seine Unterstützung zu, wollte Baustrom und Wasser zur Verfügung stellen. Er war wirklich glücklich, dass sich etwas tut. Inzwischen hat er seine Immobilie ebenfalls optisch deutlich aufgewertet, weil die Investition für ihn wieder Sinn machte. Der Gebäudeblock gegenüber der Brunnenstraße 51 ist ebenfalls gerade eingerüstet und erhält einen neuen Anstrich. Diesen Effekt haben wir uns erhofft, dass er sich so schnell zeigt, ist ein Glücksfall.“

Preisgekröntes Projekt

Das Konzept des Projekts hat in der Fachöffentlichkeit viel Lob und Zuspruch gefunden. Im Juli dieses Jahres nahm der Vorstand der Stiftung gemeinsam mit Sozialdezernentin Birgit Zoerner und Klaus Graniki von DOGEWO21 den ‚Bundespreis Soziale Stadt’ entgegen. In der letzten Woche überreichte auch NRW-Bauminister Michael Groschek anlässlich einer Veranstaltung zu zehn Jahren Stadtumbau NRW einen Sonderpreis zum vorbildlichen Umgang mit Schrottimmobilien an den Vorstand der Stiftung. „Ich freue mich besonders darüber, dass es gelungen ist, Arbeitsmarktmaßnahmen mit wichtigen Aufwertungsmaßnahmen zu verknüpfen und Impulse für Nachahmungen im Quartier zu setzen“, beschreibt Birgit Zoerner ihre Sicht auf das Projekt.

Zukunftsaussichten

Die Stiftung Soziale Stadt möchte sich weiter für die Beschäftigung schaffende Sanierung von Problemimmobilien engagieren. Sie hofft einerseits auf zusätzliche Förderung für preiswerten Wohnraum und faire Arbeit aus Berlin und Düsseldorf, andererseits aber auch auf weitere engagierte Investoren, die das erfolgreiche Konzept gemeinsam mit der Stiftung umsetzen wollen und bereit sind, weitere Problemimmobilien zu erwerben und zu sanieren.