DOGEWO21 Jubiläumsbuch - 100 Jahre Wohnen in Dortmund

108 Haushalte und zu einem in der Breite nie gekannten Wohlstand der Bürger führte. In den 1950er-Jahren hatten sich die Einkommen mehr als verdoppelt, in den 1960er-Jahren legten die realen Pro-Kopf-Ein- kommen um 61% zu, in den 1970ern immer noch um 35%. Bund, Länder und Kommunen investierten stark in den sozialen Wohnungsbau. Wie andere ge- meinnützige Wohnungsgesellschaften baute auch die DGW in diesen Jahren nahezu ausschließlich öf- fentlich geförderte Wohnungen; erst 1969 kündigte die Gesellschaft an, sich auch wieder dem Bau frei finanzierter Mietwohnungen zuzuwenden. Eine neue Art des Bauens ZumWohnungsmangel und zur Verfügbarkeit der notwendigen Mittel für Wohnungsneubau im großen Stil gesellte sich zudem ein Faktor, der entscheidend für die neue Art des Bauens war. Die 1960er-Jahre waren von dem Glauben an einen unerschütter- lichen Fortschritt und die Allmacht der technischen Möglichkeiten geprägt. Nach der katastrophalen Erfahrung des Nationalsozialismus und des Krieges wandten sich die Deutschen mit viel Optimismus und Zuversicht der Zukunft zu. Das Alte sollte überwun- den werden, das Neue dem Alten möglichst wenig gleichen – auch im Blick auf die Stadtentwicklung und das Wohnen. Die seit den 1950er-Jahren vehe- ment geforderte „autogerechte Stadt“ nahm auch in Dortmund in Form von „Traumstraßen“, breiten Ver- kehrsachsen und einer stetig wachsenden Zahl gro- ßer Parkplätze immer deutlicher Gestalt an. „Moder- ne Hochbauten und kühne Verkehrsführung“ prägten den Gestaltungswillen der neuen Stadtplanung. Die für den Wohnungsbau ausgewiesenen Siedlungs- flächen sollten intensiver, die vorhandene öffentliche Infrastruktur effektiver genutzt werden. Die Zahl der Geschosse und die Dichte der Bebauung wuchsen dabei aber nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen – das „Städtische“ sollte wieder stärker hervortreten, als es in den flächenintensiven Einfamilienhaussied- lungen und den im grünen Umfeld liegenden Zeilen- bauten der Fall war. An die Stelle des bis Ende der 1950er-Jahre gültigen städtebaulichen Leitbilds der „aufgelockerten Stadt“ trat in den 1960er-Jahren jenes der „Urbanität durch Dichte“, umgesetzt in Siedlungskonzepten mit enger Bebauung und hohen Geschosszahlen. In einer Werbebroschüre des Verkehrsvereins von 1965 mit dem Titel „Dortmund. Ruhrmetropole zwischen Tradition und Gegenwart“ traten die Mentalität und die Ideen, auf denen diese Konzepte basierten und die in jenen Jahren keineswegs nur die Stadtoberen und Entscheider, sondern auch die große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger präg- ten, überdeutlich, ja geradezu programmatisch her- vor: „Die Bombenzerstörungen des letzten Krieges Siedlung Löttringhausen, Bauabschnitt I, 1965

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