DOGEWO21 Jubiläumsbuch - 100 Jahre Wohnen in Dortmund

109 haben der Stadt eine Chance gegeben, vollkommen neu zu bauen. Nicht sentimental historisierend und Totes wehmütig konservierend, sondern keck vor- wärtsschauend wird die Stadt heute als ein immer lebender, sich immer wandelnder Organismus neu gestaltet. […] Eine Tradition wie in so mancher an- deren Stadt galt es in Dortmund jedenfalls nicht zu wahren. Eine Epoche war versunken. Was man jetzt künftig baute, mußte Ausdruck und Bekenntnis un- serer Zeit, unserer Not und auch unseres Vertrauens in eine glücklichere und hellere Zukunft sein. Beton, Stahl und Glas – das sind nun einmal unsere Bau- stoffe. Sie entsprechen in der Art, wie sie sich ver- arbeiten lassen, dem Tempo unserer wie noch nie zuvor drängenden Zeit. […] Heute glauben wir, soweit zu sein, daß wir ohne historische Anleihen Bauten zu schaffen vermögen, die unseren Bedürfnissen und unseren Begriffen des Zweckmäßigen und da- mit auch des Schönen auf ehrliche Art entsprechen. Daher gibt es immodernen Dortmund, das jetzt ent- steht, kaum noch hohe Dächer und fast keine mas- siven Sandsteinfassaden mehr. […] Aber wenn schon die späteren Geschlechter den Geschmack derer von 1945 bis 1965 vielleicht nicht billigen werden; den Mut, den Optimismus und die entschlossene Abkehr vom ewig Gestrigen zu bewundern, werden sie nicht umhin können.“ Helle Wohnungen für eine helle Zukunft Mut, Optimismus und das Vertrauen auf eine „hellere Zukunft“ strahlten auch die großen Siedlungsprojekte aus, die die DGW in jener Dekade plante und reali- sierte. Betrachtet man die Fotos aus der Zeit des Baus und der Fertigstellung dieser Siedlungen, so fällt das radikal Neue und Moderne direkt ins Auge. Die Häuser werden höher und zeigen neue Formen, neue Materialien und neue Konstruktionen. Die Wohnungen werden heller, größer, haben allesamt Bäder und werden zentral geheizt. Die Grundrisse spiegeln eine funktional ausgerichtete Architektur. Teurer werden die Wohnungen auch, aber noch stei- gen die Einkommen kräftiger als die Mieten. Der ge- meinnützige Großsiedlungsbau der 1960er- und in Einblick in einen Innenhof zwischen Kleist- und Rückertstraße nach der Sanierung, 1978 Nederhoffstraße, Sanierung 1978

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