DOGEWO21 Jubiläumsbuch - 100 Jahre Wohnen in Dortmund

114 Neue Aufgaben der DGW Im Geschäftsbericht für das Jahr 1968 hatte die Geschäftsführung erstmals die neuen Aufgaben umrissen: „Wohnungsangebot und Nachfrage spie- len sich aufeinander ein. Der Wohnungsbau steht im Zeichen des Wandels. Aus der Versorgungsaufgabe muß in Zukunft eine Gestaltungsaufgabe werden. […] Die Wohnungsgesellschaften müssen sich der neuen Situation anpassen und das Schwergewicht ihrer Tätigkeit auf Althaus- und Stadtsanierung le- gen. […] Eine gemeinnützige Wohnungsgesellschaft, die ihre Tätigkeit nach sozialen Leitbildern ausrich- tet, wird sich besonders den Problemen zuwenden müssen, die aus der steigenden Lebenserwartung erwachsen. Daher werden wir uns auch dem Bau von altengerechten Wohnungen und sozialen Einrichtun- gen zuwenden: das Wilhelm-Hansmann-Haus, ein Altenbegegnungszentrum, das die Gesellschaft mit 500.000 DM Eigenkapital errichtet, soll eine Modell- maßnahme auf diesemWeg sein.“ Die Grundstein- legung für die Altenbegegnungsstätte in der Märki- schen Straße wurde von Werner Figgen vollzogen, Minister für Arbeit und Soziales des Landes NRW, und fand am 11. Oktober 1968 statt, auf den Tag genau 50 Jahre nach Gründung der Gesellschaft. Modernisierung des Bestands, Wohnungsbau für spezielle Bevölkerungsgruppen und Stadtsanie- rung – damit war exakt zum 50-jährigen Jubiläum des Unternehmens formuliert, was im zweiten halben Jahrhundert seines Bestehens im Vorder- grund stehen sollte. Natürlich hatte die DGW auch zuvor für besondere Gruppen wie Kinderreiche, Kriegsbeschädigte oder Vertriebene gebaut, hatte in die Jahre gekommene Häuser modernisiert und zur Stadtsanierung beigetragen. Der Schwerpunkt der Tätigkeit aber hatte stets auf dem Neubau bzw. für einige Jahre auf demWiederaufbau gelegen, und der Großteil der Investitionen war in diesen Bereich ge- flossen. Die 1970er-Jahre stellten in gewissem Sinn ein Jahrzehnt des Übergangs dar, weil noch große Neubauprojekte im Stil der 1960er-Jahre begonnen bzw. fortgeführt wurden. Zwar lag die Zahl der jähr- lich fertiggestellten Wohnungen (mit Ausnahme des Jahres 1976) deutlich unter jenen der 1960er-Jahre, doch wurden markante Siedlungen und Hochhäuser errichtet, bei denen sich Fertigstellung der Gesamt- anlagen und Bezug der Wohnungen aufgrund der Größe der Projekte in der Regel über einen längeren Zeitraum hinzogen – so in der Siedlung Scharnhorst- Ost, mit dem „Hannibal“, den acht Terrassenhäusern am Vogelpothsweg in Dorstfeld, an der Geßlerstraße in Wambel mit weiteren achtgeschossigen Häusern, mit dem Hochhaus Langeloh 4 in Löttringhausen oder mit den ebenfalls achtgeschossigen Bauten an der Speckestraße in Westerfilde. 1980 stellte die DGW noch 48 Wohnungen fertig. So wenig wie nie seit der Währungsreform und der Gründung der Bundesrepublik (1949), ja sogar seit der eigenen Gründung 1918, wenn man die Kriegs- jahre ausnimmt. Im Jahresbericht 1980 konstatierte die Geschäftsführung das Fehlen von preiswerten, familiengerechten Wohnungen und bemängelte das weitgehende Versiegen öffentlicher Mittel. Als Un- ternehmensziel gab sie für die folgenden Jahre den Bau von jährlich etwa 100 Wohnungen aus. Doch im folgenden Jahrzehnt sollte es erstmals in der Ge- schichte des Unternehmens auch Jahre geben, in denen kein Neubau mehr betrieben wurde. Fertiggestellte Wohnungen, 1957–1980

RkJQdWJsaXNoZXIy NjAxNTI=