DOGEWO21 Jubiläumsbuch - 100 Jahre Wohnen in Dortmund

138 In den 1980er-Jahren war in der deutschen Gesell- schaft vom Optimismus und der Zuversicht der 1960er nur noch wenig übrig geblieben. Eine stag- nierende Wirtschaftsentwicklung, rückläufige Ein- wohnerzahlen, hohe Arbeitslosigkeit und Sorge um den Zustand der Umwelt prägten die Lage und das Denken. In Dortmund erreichte die Arbeitslosigkeit 1983 mit 17% ihren Höchststand, in den Jahren zwischen 1980 und 1986 zogen rund 20.000 Ein- wohner aus der Stadt fort. Der Wohnungsmarkt war im Ganzen betrachtet ausgeglichen, im Bereich der Sozialwohnungen wuchsen die Leerstände und dem- entsprechend wurde die öffentliche Förderung für Neubau weiter reduziert, allein von 1979 zu 1980 um noch einmal knapp 30%. Im Blick auf die Stadtentwicklungspolitik bedeutete das auch das vorläufige Ende für den Neubau großer Wohnsiedlungen am Stadtrand und von Hochhaus- komplexen. In den Altbauquartieren wurde das in den 1960er- und 1970er-Jahren geltende Prinzip der Flächensanierung – häufig als „Kahlschlagsanierung“ kritisiert – aufgegeben. Die Neuorientierung stand unter dem Begriff der „behutsamen“, der „erhalten- den Stadterneuerung“, wobei nun auch ökologische Faktoren in den Blick gerieten. In der Diskussion und Auseinandersetzung um die Sanierung des alten Ortskerns in Dorstfeld bekam die DGW diese Ent- wicklung zu spüren. Der noch in den 1970er-Jahren erstellte Plan einer weitreichenden Flächensanie- rung, der den Abriss fast des gesamten alten Orts- kerns zur Folge gehabt hätte, wurde bereits 1980 verworfen. Der Kern sollte nun erhalten, der Verkehr beruhigt und Grünflächen angelegt werden. Der Ab- riss einer Reihe von Häusern in sehr schlechtem Zu- stand schien aber unabdingbar. Proteste und Haus- besetzungen waren die Folge. Im Herbst 1983 kam es bei gerichtlich verfügten Räumungen zu Krawallen zwischen Bewohnern, Hausbesetzern und der Polizei, die für einiges Aufsehen sorgten. Die DGW führte im Kern Dorstfelds schließlich Sanierungen und Verbes- serungen des Wohnumfelds durch und errichtete in der Arminius-, Helmut- und Thusneldastraße insge- samt 81 Mietwohnungen, die 1984 bezogen wurden. Eving: Märchensiedlung vor der Sanierung, 1984 Eving: Märchensiedlung nach der Sanierung, 1985

RkJQdWJsaXNoZXIy NjAxNTI=