DOGEWO21 Jubiläumsbuch - 100 Jahre Wohnen in Dortmund

17 Betriebe der Montanindustrie aus naheliegenden Gründen die Nähe zur Bahn suchten, reihte sich schließlich zwischen den großen Industriekomplexen des Eisen- und Stahlwerks Hoesch im Nordosten und der Dortmunder Union sowie des Industriehafens im Nordwesten Mietskaserne an Mietskaserne. Rückblickend fasste Magistratsbaurat Erich Kabel 1929 die bauliche Entwicklung der Nordstadt infolge des Fehlens „organisatorischer Maßnahmen“ sehr treffend zusammen: „Die nach 1850 einsetzende starke Bevölkerungszunahme stellte der baulichen Stadterweiterung unerwartete Aufgaben gewaltigen Ausmaßes, für deren Lösung erst im Laufe der wei- teren Entwicklung die unerlässlichen Erfahrungen gesammelt werden konnten. Fast lediglich durch privaten Unternehmungsgeist betrieben, wuchs die Bebauung regellos und hemmungslos, ohne zunächst durch organisatorische Maßnahmen in geordnete Bahnen gelenkt zu werden. […] Rücksichtslose wirt- schaftliche Ausnutzung der Grundstücke in allen Dimensionen, sogenannte Schlitzbauweise, enge Höfe nahmen häufig Wohn- und Schlafräumen die erforderliche Licht- und Luftzufuhr. Die sanitären Anlagen entsprachen meistens kaum den beschei- densten hygienischen Anforderungen. […] Außerdem führte die regellose Durchdringung der Wohngegen- den mit Kleingewerbe zu einer bedenklichen Verbau- ung der im Blockinnern vorhandenen Freiflächen und verdrängte aus diesen Innenhöfen jegliche Gartenflä- chen, jeden Baum und Strauch, schließlich auch Luft, Stadtplan Dortmund, 1913: Rot markiert sind die Straßenbahnlinien, schwarz die Industrieanlagen.

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