DOGEWO21 Jubiläumsbuch - 100 Jahre Wohnen in Dortmund

22 Der Erste Weltkrieg (1914–1918) und seine Auswir- kungen verschärften in Dortmund die Situation auf demWohnungsmarkt noch einmal merklich. Als einer der Hauptstandorte der Montan- und damit der Rüstungsindustrie im Deutschen Reich verzeichnete die Stadt in den Kriegsjahren erneut einen deutlichen Zuwachs der Bevölkerung, obwohl im gleichen Zeit- raum Zehntausende Männer die Stadt verließen und an die Front zogen. Im letzten Kriegsjahr, am 19. Februar 1918, legte der Magistrat daher der Stadtverordneten-Versammlung einen Antrag auf „Gründung einer Gemeinnützigen Dortmunder Siedlungsgesellschaft m.b.H.“ vor. 1 Die von Oberbür- germeister Eichhoff und Stadtbaurat Strobel unter- zeichnete Vorlage wies auf die Dringlichkeit „gewinn- loser gemeinnütziger Bautätigkeit“ hin, zu deren Zweck – neben anderen Maßnahmen – auch eine Gesellschaft zu gründen sei, in der „die Stadt im Inte- resse der dauernden Erhaltung der Gemeinnützigkeit und des Ausschlusses der Spekulation die Mehrheit sowohl in Bezug auf die Stammeinlage als infolgedes- sen auch im Aufsichtsrat erhält“. Als weitere Gesell- schafter sollten Industrie und Handel, gemeinnützige Baugesellschaften, Kirchengemeinden, vermögende Einzelpersonen und öffentliche, an der Volksgesund- heit interessierte Kassen gewonnen werden. Im April 1918 verschickte Oberbürgermeister Eichhoff daher ein Werbeschreiben an potenzielle Gesellschafter, in dem er zum einen an den Patrio- tismus in Zeiten des Krieges appellierte und zum an- deren hervorhob, dass nur in „gesunden Wohnungen“ Menschen zu „tüchtigen arbeitsfreudigen“ Personen gedeihen, die auch dem Blühen von Industrie und Handel förderlich seien: „Die schnelle und gründliche Hilfe imWohnungswesen, wie sie mit der Gründung der Siedlungsgesellschaft angestrebt wird, soll in erster Linie den Kriegsteilnehmern und den kinder- reichen Familien gelten. Durch die Errichtung von Heimstätten können wir einen Teil unseres Dankes an jene abtragen, die in langen und harten Kriegs- jahren die Heimat verteidigt haben.“ Die Zeichnung von Anteilen sei also – so formulierte es Eichhoff – „ein Kriegsliebesdienst, wie er weder in materieller noch in sozialer und ethischer Hinsicht übertroffen werden kann“. 2 Der Oberbürgermeister wies schließ- lich noch darauf hin, dass eine Dividende von 4% vor- gesehen sei – was die Obergrenze dessen darstellte, Eintrag der DGSG ins Handelsregister, 1918 Briefkopf der DGSG, 1923

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