DOGEWO21 Jubiläumsbuch - 100 Jahre Wohnen in Dortmund

23 was gemeinnützige Gesellschaften ausschütten durften –, dass diese aber in den ersten Jahren wohl kaum realisiert werden könne. Das angestreb- te Ziel erreichte Eichhoff mit seinem Brief. Als sechs Monate später die Siedlungsgesellschaft gegründet wurde, hatten 56 Gesellschafter Anteile gezeichnet. Kampf gegen die Wohnungsnot Unter Federführung von Hans Strobel hatte der Magistrat unterdessen eine Schrift erarbeitet, mit der die Notwendigkeit schnellen und gemeinnützigen Wohnungsbaus anhand von Zustandsbeschreibun- gen, Statistiken und Prognosen zur Bevölkerungs- entwicklung noch einmal ausführlich belegt werden sollte. Als „Denkschrift über Maßnahmen gegen die Wohnungsnot in Dortmund“ legte der Magistrat das sehr detaillierte, 128 Seiten starke Werk am 28. Juni 1918 den Stadtverordneten vor. Wie aufmerksam die Bürgerschaft die Pläne verfolgte, zeigt die große Re- sonanz, die die Denkschrift und die Debatte darüber in der Dortmunder Presse fanden: General-Anzeiger, Dortmunder Zeitung und Tremonia, die großen Blät- ter der Stadt, füllten Anfang Juli 1918 ganze, klein be- druckte Seiten mit dem auf den Nägeln brennenden Thema, berichteten in Artikelserien über die Pläne und zitierten lange Passagen aus der Denkschrift. „Die Einwirkung des Krieges auf dem Gebiete des Wohnungswesens macht sich in Dortmund noch mehr als in vielen andern Städten geltend. Der Un- terbindung der Bautätigkeit steht hier eine haupt- sächlich durch die kriegsbeschäftigte Industrie be- dingte relative Bevölkerungszunahme gegenüber. Die Wohnungsnot ist heute schon da. Abhelfende und vorbeugende Maßnahmen gegen die in Aussicht stehende Verschärfung dieser Not zu treffen, ist unsere ebenso dringliche wie schwierige Aufgabe.“ Mit diesen Worten leitete Strobel die Denkschrift ein, um dann zunächst ausführlich die Gründe der Wohnungsnot zu erläutern. In dreieinhalb Jahren war die Bevölkerungszahl von Januar 1911 (214.391 Einwohner) um fast 40.000 auf 253.798 Einwohner am 1. Juli 1914 gestiegen. (Die 36.000 Einwohner, die infolge der Eingemeindungen im Juli 1914 Bürgerin- nen und Bürger der Stadt wurden, sind in diesen und den folgenden Zahlen nicht eingerechnet.) Während des Krieges kam es trotz der Einberufung von Zehn- tausenden Dortmunder Männern zu einer weiteren Steigerung um rund 15.000 Einwohner bis Dezember 1917. Von den 52.261 Wohnungen in den 11.345 Häu- sern der Stadt standen im Juli 1914 gerade einmal 124 leer. Die meisten leer stehenden Wohnungen waren baufällig bzw. in so schlechtem Zustand, dass sie eigentlich unbewohnbar waren – aber das galt für zahlreiche bewohnte Räume gleichermaßen. Wa- ren in den drei Jahren vor dem Krieg im Durchschnitt 1.780 Wohnungen jährlich neu gebaut und bezogen worden, so verringerte sich diese Zahl 1915 auf 1.112 und 1916 auf nur noch 173 Wohnungen. Ende 1916 wurde aus militärischen Gründen die Einstellung aller privaten und kommunalen Bauvorhaben angeordnet. Das Wohnungsamt errechnete, dass somit infolge des Krieges allein bis Ende 1917 ein Fehlbestand an 4.055 neuen Wohnungen zu beklagen war. Der Mangel an Wohnungen werde – so die Argumentation der Denkschrift – bei Ende des Krieges infolge der Rückkehr der Soldaten, der weiteren Zuwanderung Arbeitssuchender sowie der steigenden Zahl von Eheschließungen und damit Haushaltsgründungen eine dramatische Verschärfung erfahren. Der Beginn kommunaler Wohnungspolitik Als Sofortmaßnahmen gegen die Wohnungsnot sah die Vorlage u. a. Zuzugsbeschränkungen, die Errich- tung von provisorischen Wohnbaracken und Klein- häusern in vereinfachter Bauweise vor, die Nutzung von Zimmern in Hotels und Gastwirtschaften, die Zulassung von Notwohnungen in vorhandenen Ge- bäuden, die Nutzung von Dach- und Kellergeschos- sen zu Wohnzwecken. Die Meldung freier, bewohn- barer Räume auch in Privathäusern sollte zur Pflicht gemacht und die Einweisung von Wohnungslosen in Form der Zwangsbewirtschaftung ermöglicht wer- den. Selbst der Kleingartenbau, der während des

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