DOGEWO21 Jubiläumsbuch - 100 Jahre Wohnen in Dortmund

24 Krieges aufgrund der schlechten Lebensmittelver- sorgung einen gewaltigen Aufschwung erfuhr, sollte einen Beitrag leisten – an durchgehenden Wegen in Kleingartenanlagen sollten Wohnungen in Form von Kleinhäusern, also eigentlich bessere Lauben, als Wohnstätten errichtet werden. Die Gründung der „Dortmunder Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft“ wurde in der Vorlage zwar auch mit Hinweis auf das notwendige schnelle Bauen von Wohnungen beantragt, brachte aber eine völlig neue Perspektive und langfristige Strategie zum Ausdruck. Mit der Gesellschaft sollte der Stadt ein ebenso wirksames wie dauerhaftes Instrument kommunaler Wohnungspolitik an die Hand gegeben werden, ein Pfand auf den zukünftigen Städte- und Siedlungsbau in Dortmund. Die Dortmunder Presse zeigte sich sehr angetan, ja geradezu begeistert von den Plänen und Projekten. Die Dortmunder Zeitung brachte am 3. Juli 1918 den Tenor der Zustimmung in einem resümierenden Ar- tikel zum Ausdruck: „Auch dem Laien wird klar ge- worden sein, daß hier ein wirklich radikaler Schritt vorgeschlagen wird, um aus dem größten Dilemma herauszukommen, ein Schritt, der für viele Städte in derselben Notlage wegweisend werden dürfte. Man geht nicht fehl in der Annahme, daß man das Haupt- verdienst um das Zustandekommen dieser großen Vorlage dem Leiter unseres Stadterweiterungsam- tes, Herrn Stadtbaurat Strobel, zuschreibt, der mit ihr eine ebenso umfangreiche wie durchdachte und den gereiften Fachmann verratende Arbeit geliefert hat. […] Wir rufen unserem Stadtbaurat Strobel und unseren Stadtvätern zur erfolgreichen Bewältigung der gestellten Aufgaben ein herzliches ‚Gück auf!‘ zu.“ In der entscheidenden Sitzung der Stadtverordneten am 8. Juli 1918 ergriff Strobel vor der Abstimmung das Wort und sprach das erste konkrete Bauprojekt der Siedlungsgesellschaft an: „Wir haben beschlos- sen, uns an der Siedlungsgesellschaft zu beteiligen. Die Stadt hat dazu 1,2 Millionen Mark bewilligt und ich kann Ihnen mitteilen, daß eine weitere Million von Herren der Industrie für diese Siedlungsgesellschaft gezeichnet worden ist. Diese Gesellschaft will näm- lich vor allem bauen, und wir haben bereits eine Gruppe von Wohnhäusern in der Lutherstraße mit 64 Wohnungen vorbereitet, so daß an dem Tage, nach­ dem die Gründungsversammlung stattgefunden hat, mit dem Bau dieser Wohnungen begonnen werden kann. Im übrigen sind noch weitere Arbeiten in der Schwebe, über die zu sprechen heute zu früh wäre.“ Die Stadtverordneten stimmten schließlich allen Anträgen der Vorlage zu. In der Tremonia war am folgenden Tag, am 9. Juli 1918, zu lesen: „Einen großen sozialpolitischen Tag hatte gestern unser Stadtverordnetenkollegium. Mehr als 3 Millionen Mark wurden einstimmig bewilligt, um die vorhan­ dene Wohnungsnot zu mildern. Dortmund marschiert auf demWeg zur erfolgreichen Bekämpfung der Wohnungsnot mit seinem gestrigen Beschluß an der Spitze der rheinisch-westfälischen Städte.“ Die Gründungsversammlung der „Dortmunder Ge- meinnützigen Siedlungsgesellschaft“ (DGSG) fand am 11. Oktober 1918 imMagistratssitzungssaal des Stadthauses statt. 3 In den Reihen der 56 Gesell- schafter, die insgesamt Einlagen von 2,38 Millionen Mark zeichneten, war ein Gutteil der großen Dort- munder Unternehmen aus Industrie und Handel vertreten. Das Eisen- und Stahlwerk Hoesch, die Dortmunder Union der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten-AG sowie die Gelsenkir- chener Bergwerks-AG, zu der in Dortmund u. a. die Zechen Zollern, Minister Stein und Fürst Harden- berg gehörten, zeichneten die höchsten Einlagen und erhielten daher einen Sitz im neunköpfigen Aufsichtsrat, ebenso die Wohnungsbaugesellschaft Westfälische Heimstätte. Die Stadt brachte als größter Gesellschafter 1,2 Millionen Mark ein, erhielt mit fünf Sitzen die Mehrheit im Aufsichtsrat und stellte in Person des Oberbürgermeisters auch dessen Vorsitzenden. Zum Geschäftsführer der Ge- sellschaft wurde der Leiter des neu eingerichteten Wohnungsamtes gewählt, Dr. Friedrich Strehlow. Vielen traditionsreichen Unternehmen, Verbänden und Vereinen, aber auch Privatpersonen der Stadt war es offenbar ein gleichermaßen soziales wie pa- triotisches Anliegen, die Gründung der Gesellschaft mit auf den Weg zu bringen. Natürlich hatte die Mon- tanindustrie auch wirtschaftliche Motive, wenn sie Initiativen zumWohnungsbau im Einzugsbereich der Werke unterstützte, zumal sie im Gegensatz

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