DOGEWO21 Jubiläumsbuch - 100 Jahre Wohnen in Dortmund

28 Der „Dortmunder Volkspark“, der unter Strobels Federführung Mitte der 1920er-Jahre südlich des Hindenburgdamms, des heutigen Rheinland- damms, entstand, ist die Anlage, in der – neben dem Hauptfriedhof, der bis heute als eine der schönsten Friedhofsanlagen Deutschlands gilt – sein Wirken der Dortmunder Bürgerschaft noch heute am deutlichsten vor Augen tritt. Charakteristisch für Strobels Auffassungen war, dass er das „Drumherum“, die Beigaben zu den großen, repräsentativen Bau- werken der Westfalenhalle und der Kampfbahn Rote Erde, für wenigs- tens so bedeutsam hielt wie die „Leuchttürme“ selbst: „Die Kampfbahn das Herz, die Westfalenhalle die Krone, die nach zweijährigen heftigen Geburtswehen entstandene Schwimmbahn der Kämpfer im Osten, das […] Licht- und Luftbad der Kämpfer imWesten, die große Volkswiese oben am Hindenburgdamm der Schlußstein im Norden.“ 7 Strobel beton- te, dass er auf das von vielen Stadtverordneten als überflüssig und zu teuer kritisierte Volksbad wie auch auf das Licht- und Luftbad größten Wert gelegt habe, da diese beiden Anlagen nicht nur aktiven Sportlern zur Verfügung stünden, sondern allen Dortmundern „Körper und Seele erfrischen und beleben würden“ und daher als „Wohnungsergänzung“ erforderlich seien. In einer Reihe von DGSG-Siedlungen wird dieses Ansinnen Strobels später in abgewandelter, aber vergleichbarer Form sichtbar. Besonders in der Siedlung Zur Sonnenseite in Eving, die seine architektonischen, städtebaulichen und sozialen Ideale wohl am klars- ten spiegelt. Die Dortmunder Stadtgesellschaft schätzte Strobels Arbeit sehr, in der Presse fand sie viel Beachtung und Anerkennung. Seine Bedeutung für die Entwicklung und Gestaltung der Stadt stand und steht außer Frage. Dennoch wurde er Ende 1927 aus dem Amt gedrängt, indem die Mehr- heit der Stadtverordneten gegen die Stimmen der Sozialdemokraten der ersatzlosen Streichung seiner Stelle, der dritten Stadtbauratsstelle, zustimmte. Ausschlaggebend dafür waren wohl Konflikte mit seinen Dezernentenkollegen sowie auch Angriffe aus der lokalen Architekten- schaft, die sich um Aufträge gebracht sah, weil das Stadterweiterungs- amt Entwürfe für die DGSG lieferte. 8 Auch scheinen seine Art des Bau- ens und sein Beharren auf Mindeststandards imWohnungsbau der Stadt zu teuer geworden sein. Strobels Name aber bleibt mit der Grün- dung der Dortmunder Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft und dem ersten Jahrzehnt ihrer Tätigkeit aufs engste verbunden. Viele Pläne der Gesellschaft aus dieser Zeit tragen seinen Namen, entweder als Leiter des Stadterweiterungsamtes oder als Architekt.

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