DOGEWO21 Jubiläumsbuch - 100 Jahre Wohnen in Dortmund

76 Bilanz der ersten 15 Jahre Mit 2.084 fertiggestellten und bezogenen Wohnungen war das Jahr 1929 das mit Abstand produktivste und erfolgreichste der DGSG in der Zeit der Weimarer Republik. Im Geschäftsbericht für das Jahr 1929 hob die Geschäftsführung dies hervor: „Das Berichtsjahr hat mit seinem Zugang von rund 2000 Wohnungen für die Gesellschaft seit ihrem Bestehen die höchste Leistung in der elfjährigen Bautätigkeit erreicht. Zur Darstellung dieser bemer- kenswerten Entwicklung muß gesagt werden, daß sich die Herstellung des Ende 1928 vorhandenen gewesenen Hausbesitzes von etwa rd. 2000 Wohnun- gen auf zehn Jahre verteilt, während der oben berich- tete Zugang von ebenfalls rd. 2000 Wohnungen in ca. 1 ½ Jahren geschaffen wurde. Hinzu kommt, daß die Bauleitung für dieses Bauprogramm, mit Aus- nahme des Blocks an der Lünener/Güntherstraße, in eigener Hand lag.“ Schon im folgenden Jahr machten sich die Auswir- kungen der Weltwirtschaftskrise bemerkbar, doch konnten 1930 immerhin noch 440 neue Wohnungen, der Großteil an der Schützen- und Uhlandstraße, bezogen werden. 1931 schlug die Krise voll durch. Die Mietrückstände wuchsen infolge der unter den Mietern grassierenden Erwerbslosigkeit ebenso stark wie die Anzahl der Wohnungswechsel bzw. Wohnungsaufgaben. 1932 errichtete die DGSG im Auftrag der Stadt Dortmund eine Stadtrandsied- lung in Deusen, die aus 234 Einfamilienhäuschen für Erwerbslose bestand und Zeugnis der Krise war. Um die Not ihrer erwerbslosen Mieter zu mildern, erließ die DGSG ihnen imWinterhalbjahr 1932/33 bis zu 20% der Miete. Trotz der großen Mietrückstände ge- riet die Gesellschaft offensichtlich nicht in drücken- de finanzielle Engpässe. Für 1933 konnten jedoch keine größeren Bauvorhaben angekündigt werden; lediglich der Präsidenten-/Kaiserblock sollte um 8 Häuser und 72 Wohnungen erweitert werden. Ende 1932 belief sich der Gesamtbestand der Gesellschaft schließlich auf 1.089 Häuser mit 5.076 Wohnungen; hinzu kamen 39 Ladenlokale und 15 Garagen. In den Bestand eingerechnet sind auch 79 in den Jahren 1930/31 errichtete Einfamilienhäu- ser am Nußbaumweg in Wambel, die 1932 verkauft werden sollten. Es fanden sich angesichts der Krise, die sich keineswegs nur auf die unteren sozialen Schichten auswirkte, aber nur für zwei Häuser Käufer. Insgesamt wurden in Dortmund in den Jahren 1918 bis 1933 rund 19.000 Wohnungen neu gebaut. Die DGSG war also mit einem guten Viertel am gesamten Wohnungsneubau in der Stadt beteiligt. Nicht nur im Blick auf die große Zahl der neu gebauten Woh- nungen und ihre sozialen Komponenten startete die Gesellschaft erfolgreich in das erste Jahrhundert ihrer Geschichte: Die Wohnanlagen und Siedlungen in den innerstädtischen wie in den eingemeindeten Gebieten trugen mit ihren ästhetischen Qualitäten vielerorts zu einer merklichen Verschönerung des Stadtbildes bei. Auch deutschlandweit fanden sie lobende Anerkennung. Als 1928 eine Gesamtschau des nationalen Wohnungsbaus nach dem Ersten Weltkrieg in Form eines monumentalen Bildbandes erschien, wurden darin auch die DGSG-Siedlungen Im Grubenfeld, Zur Sonnenseite und Nußbaumweg in Bild und Text als beispielhaft vorgestellt, und der renommierte Hamburger Oberbaurat Otto Peters fasste die Entwicklung treffend zusammen: „Es wird immer ein Ruhmesblatt der deutschen Städte bleiben, wie sie nach dem unglückseligen Ausgang des Weltkrieges die Wohnungsbeschaffung praktisch in die Hand genommen haben und auch vor größten Opfern nicht zurückschreckten, um der immer drü- ckender werdenden Wohnungsnot zu steuern. Und, was ihnen fast noch als höheres Verdienst anzurech- nen ist, sie benutzten diese Gelegenheit, um auch den Wohnungsbau durch weitgehende Einflußnahme auf die Planung in gesundheitlicher, technischer und wirtschaftlicher Beziehung gegenüber der Vorkriegs- zeit zu verbessern. […] Die Gemeinden als neue un- mittelbare und mittelbare Träger des Wohnungsbaus erkannten ihre Pflicht, auch auf diesem Gebiete nun- mehr Vorbildliches zu schaffen und den Wohnungs- bau mit jenem Geiste technischen und künstleri- schen Formwillens und sozialer Verantwortlichkeit zu erfüllen, den diese große Aufgabe der Beheimatung

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