DOGEWO21 Jubiläumsbuch - 100 Jahre Wohnen in Dortmund

81 zu hörende Meinung, das Regime habe viel für die „kleinen Leute“ getan, zeigt, wie erfolgreich die Propaganda der Nationalsozialisten war. Von den in Aussicht gestellten Zehntausenden Wohnungen der „neuen Mittelstadt“ wurden schließlich 107 Häuser mit 544 Wohnungen in der „Rudolf-Heß-Siedlung“ in Renninghausen realisiert. Diese Häuser wurden von der DGSG treuhänderisch verwaltet. Die Geschäftsberichte der DGSG aus den Jahren 1933–1945 zeigen dieses Missverhältnis von Ankün- digung und realisiertemWohnungsbau zwar nicht so spektakulär auf, wie es mit Blick auf die „Stadt des deutschen Sozialismus“ der Fall war, aber doch eindeutig. Da heißt es etwa im Bericht für 1934, die bereits im Vorjahre erkennbare Aufwärtsentwicklung in allen Bereichen habe erhebliche Fortschritte ge- macht und die Wirtschaftlichkeit der Gesellschaft außerordentlich günstig beeinflusst. ImWohnungs- neubau schlug sich diese günstige Entwicklung allerdings nicht nieder: Der Bestand wuchs um 72 Wohnungen an der Kaiserstraße und 52 Behelfs- wohnungen in Brackel. Der Bericht für 1936 hebt zunächst den anhaltenden wirtschaftlichen Auf- schwung hervor und lobt die gute Zusammenar- beit mit allen zuständigen Ämtern und Stellen. Die Bauleistung aber war bescheiden: 24 Obdachlosen- wohnungen Am Remberg, 26 Einfamilienhäuser und 8 Mehrfamilienhäuser mit 32 Wohnungen an der Rennbahn, in der Münsterstraße 8 Häuser mit 64 Wohnungen, in der Franziskanerstraße 2 Häuser mit 16 Wohnungen. Selbst in den großen Krisen- jahren der Weimarer Republik, wie in der „Über- gangszeit“ 1918 bis 1923, hatte die DGSG mehr Wohnungen gebaut. Im Bericht für 1938 kam die Geschäftsführung der Gesellschaft nicht mehr umhin einzugestehen, dass es für das Regime längst Wichtigeres gab als den Wohnungsbau. „Die Einengung des gemein- nützigen Wohnungsbaues durch die vordringlichen staats- und wehrpolitischen Aufgaben“ habe sich verschärft und die Gesellschaft habe beträchtliche Abstriche an ihren Planungen machen müssen. Die Folgen der „wehrpolitischen Aufgaben“ für den zivi- len Wohnungsbau waren vornehmlich Arbeiterman- gel und Materialverknappung. Als im September 1939 dann der Zweite Weltkrieg begann, blieb der Geschäftsführung in den Berichten der folgenden Jahre kaummehr übrig, als Tausende neue Wohnun- gen zu versprechen, die unmittelbar nach Kriegsende von der Gesellschaft gebaut werden würden. Siedlung Oespel, 1940

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