DOGEWO21 Jubiläumsbuch - 100 Jahre Wohnen in Dortmund

84 Die nationalsozialistische Wohnungspolitik war in den ersten Jahren des „Dritten Reiches“ von der Propagierung des Kleinsiedlungsbaus am Rande der Industriestadt geprägt. Siedlerstellen mit Garten und Stall fern der als verrucht und dekadent empfun- denen innerstädtischen Bezirke sollten entstehen. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass diese Art des Bauens vergleichsweise teuer war und der Zu- wachs an Wohnungen auf diese Weise nur langsam voranging. 1936 richtete das Regime daher den Fokus auf Kleinwohnungsbau in der Nähe zu den Arbeits- stätten. Die DGSG trat zwar theoretisch ebenfalls für Siedlerstellen in eher ländlichen Arealen ein, baute praktisch aber hauptsächlich weiter, was sie zuvor auch gebaut hatte – Mietshäuser. Die Errichtung von Kleinsiedlerstellen blieb der Dortmunder Gemeinnüt- zigen Bau AG Hellweg vorbehalten, mit der die DGSG 1935 ebenso wie mit der Gemeinnützigen Kreisbau- gesellschaft Hörde eine Verwaltungsgemeinschaft einging. Da „Siedlung“ im Sinn der nationalsozialis- tischen Wohnungspolitik eine grundlegend andere Bedeutung hatte als der Begriff „Siedlung“ im Namen der DGSG, änderte die Gesellschaft im April 1937 ihren Namen in Dortmunder Gemeinnützige Woh- nungsgesellschaft (DGW). Der größte Teil des Zuwachses imWohnungsbestand der DGSG/DGW rührte aus dem wohl erzwungenen Ankauf von 245 Häusern mit 1.288 Wohnungen, 2 Gastwirtschaften und 12 gewerblichen Räumen aus demWohnhausbesitz der Stadt Dortmund im Jahr 1935 her. Offensichtlich war der Stadt vor allem an der Konsolidierung ihres Haushaltes gelegen. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen um den Kaufpreis: Die DGSG bot 6 Millionen RM, die Stadt verlangte eine halbe Million mehr. Erst als die Kreisleitung der NSDAP offiziell intervenierte und vor einer Schädigung der DGSG zumWohle des Stadtsäckels warnte, gab sich die Stadt mit 6 Millionen RM zufrieden. 5 Während des Krieges ging auch der Bestand der Bau AG Hell- weg und der Kreisbaugesellschaft Hörde von zusam- men 397 Wohnungen durch Erwerb der Aktiva und Passiva der beiden Gesellschaften in den Bestand der DGSG über. Neue Wohnungen errichtete die Gesellschaft im Kaiser- block (160), an der Rennbahn in Wambel (32), in der Franziskanerstraße (16), an der Münsterstraße (64), Ausweis einer „total-fliegergeschädigten“ Mieterin, Märkische Straße 160

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