DOGEWO21 Jubiläumsbuch - 100 Jahre Wohnen in Dortmund

85 im Block Mallinckrodtstraße – Lessingstraße – Gneisenaustraße – Scharnhorststraße (206), in der Klönnestraße (224), in der Langen Reihe in Körne (315). Hinzu kamen Behelfswohnungen in Brackel (52) und Dorstfeld (28), Obdachlosenwohnungen am Remberg in Hörde (24) sowie Einfamilienhäuser an der Rennbahn in Wambel (26). Inklusive der Behelfs- wohnungen baute die Gesellschaft in den Jahren von 1933 bis 1939 (von 1940 an durften Wohnungen nur noch mit sehr selten erteilter Ausnahmegenehmigung gebaut bzw. fertiggebaut werden) also insgesamt 1.121 Wohnungen, im Durchschnitt 160 pro Jahr – und damit 200 Wohnungen pro Jahr weniger als in den Jahren der Weimarer Republik (durchschnittlich 362 pro Jahr). Die Ursachen dafür liegen auf der Hand: In der um sozialen Ausgleich und Frieden bemühten Republik ließ die öffentliche Hand im Blick auf die Bedürfnisse der Menschen bauen und verwendete einen Gutteil ihrer Einnahmen für den gemeinnützigen Wohnungsbau; in den Jahren der braunen Diktatur richtete sich der Blick schon nach wenigen Jahren hauptsächlich auf den zu führenden Krieg und die Mittel für den Wohnungsbau wurden drastisch reduziert. Das Ende in Trümmern Die aggressive, auf Krieg und Expansion fokussierte NS-Politik hatte nicht nur einen zahlenmäßig und qualitativ bescheidenen Neubau von Wohnungen zur Folge, sondern sehr bald auch die Zerstörung eines Großteils des vorhandenen Wohnraums. Bereits im August 1941 erlitten zwei Häuser der DGW Bomben- schäden, von 1943 bis April 1945 kam es dann zu großflächigen Zerstörungen. ImMai 1943 – über die Hälfte der männlichen Mitarbeiter der DGW waren eingezogen – wurde die Geschäftsstelle der Gesell- schaft am Schwanenwall 44 ausgebombt. Dabei ging mit vielen wichtigen Unterlagen auch die Mieterkartei verloren, die mühsam rekonstruiert werden musste. Für die Jahre ab 1942 konnten daher auch keine Jah- resabschlüsse und Geschäftsberichte mehr erstellt werden. Die DGW bezog vorübergehend Quartier in der Wilhelm-Gustloff-Straße 94 (heute Chemnitzer Straße) und fand schließlich Räume im 4. Stock des AOK-Gebäudes in der Schmiedingstraße 25–27, am Wall in der Nähe des Hauptbahnhofes. Der Verband Westfälischer Wohnungsunternehmen forderte die Gesellschaft auf, die Unterlagen zum Schutz vor Zerstörung zukünftig im Keller aufzubewahren. 6 Über 100 Angriffe flogen die Alliierten auf Dortmund, die schwersten imMai 1943 und von Oktober 1944 an in fünf Großangriffen. Sie gipfelten im Frühjahr 1945 im größten Luftangriff, der während des Zwei- ten Weltkrieges auf eine deutsche Stadt geflogen wurde: Am 12. März warfen über 1.000 Flugzeuge der britischen Royal Air Force innerhalb einer Dreiviertel- stunde Bomben mit einem Gesamtgewicht von 4.800 t auf die Stadt. Eine Mieterin der DGW-Sied- lung in Huckarde schilderte das Geschehen während eines großen Luftangriffs im Februar 1944. Mit ihrer Tochter und den stets gepackten Sachen hatte sie sich bei Vollalarm in den Keller ihres Hauses be- geben: „Wir saßen fast alle auf zwei langgelegten Brettern auf der Seite in der Gasuhrenschleuse, Schlafdecke vorsichtshalber auf den Kopf gelegt und warteten. Und es galt uns in Dortmund-Huckarde, der Zeche Hansa, der Siedlung und dem Bahngleis. Es ging Schlag auf Schlag, und man hörte schon mal eine Bombe über dem Kopf herzischen. Eine Bombe schlug 5 Meter vor unserem Schlafzimmer ein. Ein Im Dreieck in Körne, 1939

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