DOGEWO21 Jubiläumsbuch - 100 Jahre Wohnen in Dortmund

86 Loch über die halbe Straßenseite. Das Haus hob und setzte sich wieder. Die Dachpfannen rollten. Die un- teren Türen, Hausflur, Keller, Hintertür waren raus. Ruß kam aus dem Schornstein durch die Klappe im Keller. Der Angriff dauerte ca. eine halbe Stunde. Und trotz allem waren alle Einwohner in der Sied- lung unversehrt geblieben, bis auf einen verletzten Mann. Im Zentrum des Dorfes gab es Tote. Aber wie sah es in meiner Wohnung oben aus, als wir uns eine Bahn machen mußten. Die Fenster alle raus, die Türen beschädigt. Eine Schranktür lag über den Betten, Seitenwand vom Schrank ausgebeult. Gardine und Sofakissen lagen auf der Straße. Der Abendbrottisch mit Glassplittern besät.“ 7 Den Problemen des letzten Kriegsjahres zum Trotz versuchte die DGW, die Ordnung in den mehr und mehr chaotischen Wohnverhältnissen so gut wie möglich aufrechtzuerhalten. ImMärz 1944 gab sie allen Mietern ein Merkblatt zum Umgang mit Luft- kriegsschäden an die Hand, in dem sie darüber infor- mierte, wem welche Schäden an der Wohnung und amMobiliar zu melden seien, wie die Instandsetzung geplant, wie Mietminderung bei Teilschäden geregelt war. Im Übrigen sei aufgrund des Mangels an Arbeits- kräften und Material auch in Sachen Wiederaufbau der Weg der Selbsthilfe zu beschreiten. Im Falle eines Totalschadens besäßen die Mieter nach demWieder- aufbau des Hauses Anspruch auf ihren einstigen Wohnraum. Auch dieser Rest an Organisation der Wohnungsverwaltung lief in der Endphase des Krie- ges ins Leere. Als die 95. US-Infanteriedivision am 12./13. April 1945 den letzten militärischen Widerstand versprengter Truppenteile der Wehrmacht brach und Dortmund besetzte, zog sie in eine Stein- und Schuttwüste ein. Ein „Tausendjähriges Reich“ hatten die Nationalsozi- alisten begründen wollen; nach gut zwölf Jahren ihrer Herrschaft lagen Deutschland und die meisten Groß- städte in Trümmern.

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