DOGEWO21 Jubiläumsbuch - 100 Jahre Wohnen in Dortmund

91 Angesichts des Totalschadens der Innenstadt, der massiven Zerstörung der Infrastruktur, der Arbeits- stätten und des Wohnraums fragten sich im Frühjahr 1945 in Dortmund viele Bürgerinnen und Bürger, ob und wie das Leben in der Stadt, in der sechs Millio- nen Kubikmeter Schutt und Trümmer lagen, über- haupt weitergehen könne. Die amtierende Militär- regierung riet, die gesamte Innenstadt einzuebnen und in der Nachbarschaft eine neue aufzubauen. Wochenlang wurde in Reihen der neu eingesetzten städtischen Amtsträger der radikale Vorschlag der Militärregierung ernsthaft diskutiert – und allein das verdeutlicht, wie trostlos sich die Situation darstellte. Der wieder als Stadtbaurat eingesetzte Wilhelm Delfs tendierte zunächst dazu, dem Rat der Besat- zungsmacht zu folgen. Letztlich entschied man sich vor allem deshalb dagegen, weil in der Erde noch wertvolle Anlagen und Materialien lagen, für die es in näherer Zukunft kaum Ersatz zu geben schien. Von den 160.700 Wohnungen des Jahres 1939 waren imMai 1945 nur 42.600 unbeschädigt, 71.600 bis zu 60% beschädigt, 46.500 schwer beschädigt bzw. total zerstört. 1 Dabei traten große Unterschiede zwi- schen Innenstadt und Außenstadt zutage: Während sich die Zahl der Wohnungen auf dem alten Stadt- gebiet um über 60% verringerte, betrug der Ver- gleichswert für die eingemeindeten Gebiete 14%. In der Innenstadt waren die Stadtmitte (−93%Woh- nungen) und das unmittelbar im Norden angrenzende Gebiet rund um den Steinplatz (−74%) am stärksten betroffen, in der Außenstadt Eving (−36%) und Hörde (−35%). Lütgendortmund und Wellinghofen hingegen waren – was den Verlust an Wohnungen betraf – nahe- zu ungeschoren davongekommen, in Aplerbeck zählte man im September 1945 sogar mehr Wohnungen als 1939. 2 Am Kanalisations- und Leitungsnetz wurden fast 3.000 Tiefenschäden festgestellt, kaum eine Straße in der Innenstadt war noch befahrbar. Von den 534.000 Einwohnern Dortmunds im letzten Friedens- jahr lebten im September 1945 nur mehr 363.000 in der Stadt. Viele Menschen hausten in Bunkern und Kellern, in Ruinen und in eilig und grob aus den Resten zerstörter Gebäude zusammengezimmerten Notunterkünften, andere fanden Unterkunft bei Ver- wandten und Freunden, deren Wohnungen verschont Dortmunder Wohnungselend, 1946 Dortmunder Wohnungselend, 1946

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