DOGEWO21 Jubiläumsbuch - 100 Jahre Wohnen in Dortmund

94 KaumMaterial, kaum Handwerker Selbst notdürftigste Instandsetzung war in der frü- hen Nachkriegszeit nur sehr bedingt möglich. Der Geschäftsbericht für das Jahr 1945 zeigt die Misere in aller Deutlichkeit auf. Handwerker für umfangrei- chere Arbeiten waren nicht zu bekommen, die wenigen verbliebenen Materialvorräte stellte die DGW daher Selbsthilfetreibenden zur Verfügung. Was die Notlei- denden benötigten, konnten sie sich fast ausschließ- lich aus den Trümmern anderer, aufsichtsloser Häu- ser besorgen. Dies wiederum führte dazu, dass viele noch bewohnbar zu machende Wohnungen ihrer intakt gebliebenen Fenster, Türen und sanitären Anlagen be- raubt wurden. „Als vordringlichst waren die Dächer zu behandeln, es mußten, da Dachziegel in vollemUm- fang nicht zur Verfügung standen, Bleche als Dach- deckung verwandt werden. An Bauholz konnte trotz des großen Bedarfs nur eine Zuweisung von 8,6 m³ und nur 9500 Steine für dieselben Verwendungszwe- cke zur Verfügung gestellt werden. Als Bindemittel des Mörtels wurde, da Kalk und Zement nicht vorhanden waren, fast ausschließlich Carbidschlamm verwandt. Leistungsmäßig ist eine stark rückgängige Bewegung festzustellen. Infolge der schwierigen Ernährungslage, der Arbeiterkleidungsfragen, Baustellenanmarschwege und -fahrten und nicht zuletzt aus der erheblich ab- gesunkenen Kaufkraft des Geldes hat die Arbeitsfreu- digkeit – wie auch in anderen Berufen – nachgelassen. Eine dauernde Besserung der Versorgung ist damit eine wesentliche Voraussetzung für eine künftige Leistungs- steigerung.“ 4 8,6 m³ Bauholz und 9.500 Steine für Tausende mehr oder weniger stark beschädigte Dächer – wie gering die Aussicht auf eine baldige, auch nur leichte Ent- schärfung der chaotischen Wohnverhältnisse war, hätte die Geschäftsführung mit vielen Worten nicht besser zum Ausdruck bringen können. 1946 wurden insgesamt 444 Wohnungen der Gesellschaft wieder bewohnbar gemacht, 80% davon in Selbsthilfe der Mieter, die von der DGW die Kosten für das Material erstattet bekamen und 59 Pfennig pro Arbeitsstunde erhielten. Um den vorhandenen Wohnraum auf mehr Mieter zu verteilen, wurden zudemMansarden aus- gebaut und größere Wohnungen geteilt. Eine deutliche Verbesserung stellte sich zwar nicht unmittelbar nach der Währungsreform im Juni 1948 ein, doch auf ihrer Basis kam langsam eine leidlich planmäßige Ordnung in die Aufbauarbeit. Jetzt gab es plötzlich reichlich Waren und Material, aber die Deut- sche Mark war zunächst knapp. Die nach der Gründung der Bundesrepublik 1949 gebildete Regierung führte die Wohnungszwangsbewirtschaftung ein und schloss damit an bereits von der Militärregierung getroffene Maßnahmen gegen die Wohnungsnot an. Der Zwang bestand im Verbot der Kündigung von Bestandsmie- tern, in staatlich festgelegten Mietniveaus und in der Vergabe von in Privateigentum befindlichemWohnraum an Wohnungssuchende von Amts wegen. Düsseldorfer Straße, 1945

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