DOGEWO21 Jubiläumsbuch - 100 Jahre Wohnen in Dortmund

97 für die Gesellschaft der Wiederaufbau weitgehend abgeschlossen, im Geschäftsbericht kündigte die Geschäftsführung für 1954 die Verlagerung des Tätigkeitsschwerpunktes auf den Neubau an. Von den geplanten 380 Wohnungen sollten nur mehr 50 in Wiederaufbauten liegen. Entsprechend der anste- henden Aufgaben stieg auch die Zahl der Mitarbeiter der Gesellschaft. Waren zur Zeit der Währungsreform 1948 rund 60 Angestellte im Unternehmen tätig und damit etwa so viele wie vor dem Krieg, so stieg ihre Zahl im Laufe der 1950er-Jahre auf knapp 80 an, wobei vor allem die Zahl der beschäftigten Techniker stieg. Der angekündigte Neubau von Wohnungen war an- gesichts der rasanten Entwicklung der Bevölkerungs- zahlen dringend notwendig, denn Dortmund hatte einen sehr starken Zuzug von Rückkehrern, Umsied- lern, Flüchtlingen und Arbeitskräften zu verzeichnen: Schon 1952 hatte die Stadt mit 554.000 Bürgerinnen und Bürgern mehr Einwohner als jemals zuvor, die Zahl der Wohnungen lag mit 133.400 aber um fast 30.000 Wohnungen unter der von 1939. Bis 1961 stieg die Zahl der Einwohner um weitere fast 100.000 Men- schen auf 641.000, jene der Wohnungen auf 205.000. Über 60.000 neue Wohnungen wurden also von 1954 bis 1961 gebaut, eine Aufbauleistung von beeindru- ckender Kraft, Ausdruck des „Wirtschaftswunders“ der 1950er-Jahre, und die DGW trug einen Gutteil dazu bei. Die Ursache für das schnelle wirtschaft- liche Wiedererstarken und den rasanten Anstieg der Einwohnerzahlen im Ruhrgebiet und besonders in Dortmund ist in der Bedeutung der Montanindus- trie für den nationalen Wiederaufbau zu finden. Für die Montanindustrie und ihre Anlagen gab es keine „Stunde null“. Die strategischen Bombardements der Schwerindustrieanlagen waren aus militärischer Sicht ein Misserfolg, die Schäden längst nicht so schwer wie bei Kriegsende befürchtet. Untertage gab es so gut wie keine Schäden und die Dortmunder Zechen nahmen bald ihren Betrieb wieder auf. Der Bergbau wurde aus naheliegenden Gründen zulas- ten der gesamten übrigen Wirtschaft stark gefördert und erreichte in Dortmund bereits 1950 wieder die Fördermengen von 1936. Die Stahlindustrie folgte mit leichter Verzögerung, aber auch dort produzier- ten die Dortmunder Werke 1948 bereits wieder halb so viel Rohstahl wie vor dem Krieg und 1952 so viel wie nie zuvor. Den Zeitgenossen galt das Revier als „Eldorado Westdeutschlands“. 6 Nirgendwo sonst in Landgrafenstraße, Ecke Chemnitzer Straße: Wiederaufbau 1952

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