Mietermagazin 04/2017

D ortmund ist nicht immer nur schön. Arno Lehmann (Name geändert) war 27 Jahre als Fahrer eines Müllwagens für die EDG in der Stadt unterwegs und hat und so immer wieder die Ecken gesehen, die durch mutwillige Verschmutzung zum ständigen Ärgernis wurden. Vor zweieinhalb Jahren hat Lehmann gewisser- maßen die Seiten gewechselt. Er arbeitet zwar immer noch für die EDG – jetzt aber als Müll- detektiv. Seitdem hat er mit den Tonnen nichts mehr zu tun, vom Bock ist er runter. Papier, Glas, Altkleider: Die 585 Containerplätze Dortmunds sind nun seine Anfahrtorte. Wer verbotenerwei- se seine Tüten, Kartons und Säcke mit Unrat dort abstellt, darf mit ihm rechnen – denn Lehmann liegt auf der Lauer. Auf dem Poster an der Wand im Flur vor seinem Büro steht groß das Wort „Aufräumen“, das Cre- do seiner Arbeit, aber auch das seiner Kollegen. Die Arbeit der Müllwerker wird im Allgemeinen geschätzt, weil jeder weiß, dass sie nicht leicht ist, und weil jeder ahnt, wie die Stadt aussehen würde, gäbe es sie nicht.Und doch finden sich im- mer wieder Leute, die früher Nunkis (Nacht- und Nebelkipper) genannt wurden. Die vorsätzlich Containerstandorte vermüllen, die eingerichtet worden sind, um für eine geregelte Entsorgung wiederverwertbaren Gutes zu sorgen. Die Plät- ze verkommen so oft zu kleinen Müllhalden, die den Anwohnern nicht nur optisch den Tag versau- en. Sie stinken auch noch zumHimmel und geben Ratten Nahrung und Heimstatt. Lehmann hat seinen Wochenplan fertig. Bunte Striche, Tag-,Mittag- und Nachtschicht sind ein- getragen. Es gibt kein wiederkehrendes Muster seiner Arbeit. Die unregelmäßige Arbeitszeit, die durchgetauschten Standorte sorgen dafür, dass man sich an sein Auftauchen nicht gewöhnen kann. „Ich steh‘ schon mal morgens um vier an einem Ort“, sagt er und bittet darum, genau die- se nicht zu nennen. Das Vage ist sein Schutz und garantiert den Fahndungserfolg eher, als würden er und sein Auto bekannt. Ein Mülldetektiv ist nicht besonders viel für 585 Standorte, da muss es manchmal reichen, nur für das Gefühl zu sorgen, dass er da sein könnte – zu welcher Tageszeit auch immer. „Jeden Tag bin ich anderswo.“ Er packt seine Tasche, geht zu seinemAuto. Dies- mal beginnt seine Schicht im Süden Dortmun- ds. Lücklemberg ist sein Ziel, soviel darf man sa- gen. Betrachtet man das Hauptutensil seiner Ar- beit und beobachtet die Art seines Tuns, kann man ihn mit jenen vergleichen, die im Auftrag ge- hörnter Ehepartner unterwegs sind: Ein Detektiv mit Fotoapparat, aus der Deckung heraus arbei- tend.„Wird alles festgehalten“, das ist unabding- bar. Angekommen, sondiert Lehmann die Lage. „Nix los“, sagt er, stimmt aber nicht ganz. Tüten und Kartons mit Unrat, Pizzakartons aus einer Pizzeria, Nudelreste, Schuhe und ein Bürostuhl stehen neben den Containern, liegen im nahen Gebüsch. Lehmann schießt ein Foto, versieht es mit Datum und Uhrzeit. Ein Vorher-Foto sozusa- gen. Dann verzieht er sich auf den Rücksitz des Autos und wartet, es steht in einiger Entfernung am Straßenrand. „Käme jetzt einer, um seinen Müll hier abzustellen, würde ich ihn fotografieren – ihn, seinen Müll und das Kennzeichen des Au- tos“, erklärt er. Das Nachher-Foto beweist die Tat. Für die Einleitung eines ordnungsrechtlichen Ver- fahrens gegen den Verursacher sei die untere Ab- fallwirtschaftsbehörde beimUmweltamt zustän- dig, sagt die Stadt Dortmund. Bußgeldverfahren führt das Rechtsamt durch. Die Höhe richte sich nach der Menge und nach der Umweltgefähr- dung der illegalen Müllbeseitigung. Aber auch die Häufigkeit und die Einsichtigkeit bzw. Unein- sichtigkeit des „Täters“ spiele bei der Festlegung der Bußgeldhöhe eine Rolle. Beispiel: Wer einen Pappbecher, ein Taschentuch wegwirft oder sei- nen Autoaschenbecher entleert, der ist schonmit bis zu 25 Euro dabei. Radio oder Stuhlentsorgung kosten 150 Euro, Kühlschrank- oder Heizkörper- entsorgung bis zu 300 Euro, Altreifen bis zu 200 Euro, Bauschutt über fünf Kubikmeter bis zu 5000 Euro und, und, und. Als Grundlage der Berech- nung dient der Bußgeldkatalog NRW. Die Bei- Wie der Mülldetektiv der EDG Umweltsünder aufspürt Ein Mann liegt auf der Lauer Bürger, die ihren Abfall achtlos oder vorsätzlich neben die Containerstandorte pfeffern, müssen mit ihm rechnen. Jederzeit. Auch, wenn Übeltäter ihn nicht sehen: Der Mülldetektiv der Entsorgung Dortmund (EDG) liegt auf der Lauer. Anzeigen Wilhelm Bergmann GmbH Am Remberg 117a · 44269 Dortmund Tel. 41 75 03 · Fax 42 28 93 · www.gws-bergmann.de E-Mail: gwsbergmann@gmx.de HEIZUNG spiele zeigen: Schon der Wegwurf eines Pappbe- chers ist kein Pappenstiel. „Allein durch die Be- weisführung des Mülldetektivs in rund 200 Fällen konnten in 2014/2015 rund 60 Bußgeldverfahren erfolgreich abgeschlossenwerden“, teilt die Stadt mit. Seine Arbeit sei sehr hilfreich. Das jedenfalls kann Lehmann auf seiner Habenseite verbuchen. Nie bewegt sich Lehman aus seiner Deckung hi- naus, er beginnt kein Gespräch mit den Ertapp- ten, weil er weiß, es würde ein Streit.Wenn er vor Gericht als Zeuge auftritt, wird es mitunter übel. Nicht vor demRichter, aber auf demGerichtsflur. „Ich werde beschimpft und manchmal auch be- droht. ,Versteck‘ Dich gut‘, hat mir mal einer zu- geflüstert, ,wenn ich Dich draußen sehe, dann ...‘“ Die Peinlichkeit, ertappt worden zu sein, dik- tiert die manchmal hanebüchenen Entschuldi- gungen. Jaja, die Container seien voll gewesen, deswegen habe man die Tüte mit dem Hausmüll danebengestellt. Nur dass es kein Container für Hausmüll war, sondern ein Altkleidercontainer im öffentlichen Raum. Und: „Ich wollte die Tüte nur wieder abholen, die ich vor ‘ner Stunde hier ab- gestellt habe, weil ich ein schlechtes Gewissen bekommen habe …“ „Die Leute wissen alle, dass sie etwas Verkehrtes tun“, ist sich der Mülldetek- tiv sicher. Er sieht es an der Art, wie sie sich be- wegen, wenn sie aus dem Auto steigen. Schnell, sich umschauend.„Es ist auch schon vorgekom- men, dass sie mich entdeckt haben“, sagt er – allerdings nach demFoto.Da kommt dann die alte Dame, die gerade säckeweise ihren Grünschnitt entsorgt hat, um zu ihm sagen, dass sie es in ih- rem hohen Alter nicht mehr schafft, bis zur Ab- gabestelle zu fahren. Oder der Mann, der ihm ei- ne „Verhandlung“ anbietet. Natürlich vergebens. In Mengede wurde Lehmann selbst beobachtet, als er morgens um drei Uhr Fotos von einemCon- tainerstandort schoss. Anwohner gingen ihn an, weil sie dachten, er spähe die Häuser aus. „Ich musste die Polizei rufen“, erinnert er sich. Arno Lehmanns Arbeit aber wird aber mehr ge- schätzt als kritisiert. Elisabeth Haußleiter kommt desWeges, sie hat ihrenMünsterländer-Mix „Ma- ja“ an der Leine. „Das hier ist so eine Sauerei“, schimpft sie und zeigt auf den umher liegenden Müll. Sie lobt die Stadtreinigung.„An der liegt es nicht, sie räumt hier oft auf. Donnerstags ist es wie geleckt, aber Freitag schon wieder versaut.“ Letztens lagen sogar Tüten mit Babywindeln auf dem Gehweg. „Ich kann Ihnen sagen, ,Maja‘ fand‘ das großartig – ich aber nicht.“ Auch Jürgen Mager ist unterwegs, „Lucky“ benötigt Auslauf. „Schöner Mist“, murmelt er im Vorübergehen. Lehmann bückt sich, fingert einen Bankauszug aus einer Tüte und fotografiert ihn.„Der kriegt ei- nen Anhörungsbogen“, das steht schon mal fest. Klar, dass sie es dann nicht gewesen sind, wenn sie sich dazu äußern sollen.War ich nicht, bin ich nicht, Auto hab‘ ich verliehen – die üblichen hilf- losen Versuche eben. Reichen aber im Allgemei- nen nicht. „Ach, Sie sind das gar nicht auf dem Foto …?“ Es seien häufig Anwohner, die entschei- dende Tipps gäben. Die beispielsweise regelmä- ßig nachts um 1 Uhr einen Pizzabäcker beim ber- geweisen Ablegen von Verpackungen beobachten würden. Auch der habe Post bekommen – und ein schönes Foto. In Lücklemberg ist heute nichts zu holen, und Ar- no Lehmann steuert seinen Wagen in die Nord- stadt. Er erzählt. „Auch die Leute im Süden der Stadt, von denen die meisten ja nun wirklich ge- nug Geld haben, um ihren Müll sachgerecht zu entsorgen, versauen die Containerstandorte. Es zieht sich durch alle Schichten. Als ich die Räu- mung eines Platzes veranlasst hatte, stand ein Anwohner neben mir, der sich vorher über den Mist aufgeregt hat – nur um zu fragen, ob er jetzt, da doch der Müllwagen komme, nicht noch ein paar Monitore daneben stellen könnte.“ Lehmann biegt ab, und sein Blick fällt auf ein großes Durcheinander. Neonröhren, Bauschutt, AmPC werden die die Beweise gesichtet - undmanch- mal bekommt dann jemand Post mit einem Foto. Oft verbergen sich bei den Hinterlassenschaften an den Containern Hinweise auf die Verursacher. Danach sucht der Mülldetektiv. Anzeige Fassadenreinigung Industrie- reinigung Hygiene- dienst Unterhalts- reinigung Spezielle Leistungen Glas- reinigung Teppich- reinigung Bau- reinigung Bahnhofstraße 16 59439 Holzwickede Tel.: 02301 – 9 12 12 – 10 Fax.: 02301 – 9 12 12 – 22 www.universal-gmbh.com knauf@universal-gmbh.com 13 12 DOGEWO21 Mietermagazin Ausgabe 04 /2017

RkJQdWJsaXNoZXIy NjAxNTI=