Mietermagazin 01/2018

Kokerei Hansa Spurensuche im Gestern Anzeigen Malerfachbetrieb Schwamborn · Raum & Farbe · Bozener Straße 15 · 44229 Dortmund Tel. 0231 / 941 77 67 · Mobil 0160 / 444 810 3 info@maler-schwamborn.de · www.maler-schwamborn.de Wir sind Ihr zuverlässiger Partner in allen Fragen zur Gestaltung Ihrer TRäume ! Wir arbeiten zügig, pünktlich und gewissenhaft. Anzeige R und 25Teilnehmer haben sich versammelt, Dreck, Staub und Rost erwartet sie. Bernd Zander, der an diesemMorgen der Gruppe humorvoll das Gestern erklärt, warnt: „Wir sind hier schließlich nicht imMuseum!“ Seit Ende 1992 wird auf der Kokerei Hansa kein Koks mehr produziert, wie er auch heute noch für die Erzeugung von Roheisen in einem Hoch- ofen benötigt wird. Alles ist den Weltmarktprei- sen unterworfen, der Import von Kohle und Koks ist lohnender als der Abbau und die Produktion im eigenen Land. Man sieht Zander an, dass er das bedauert. Seit 1997 gehört Hansa zum Fun- dus der Stiftung Industriedenkmalpflege und Ge- schichtskultur. Bedächtig nimmt die Gruppe die Schräge der etwa 180 m langen Bandstraße unter die Soh- len, auf der die Kohle von der Schachtanlage in den Sortenturm lief,wo sie gebunkert, gemahlen und mit anderen Kohlesorten vermischt wurde. 25 Meter tief fällt der Blick in die Bunker. Tonnen vonKohle passtenda rein,„aber dieMischung un- ten konnte kiloweise rausgenommenwerden“,er- zählt Zander. Seit 25 Jahren steht das Laufband still, doch die Rollen für den Kohletransport dre- hen immer noch leicht.„Könnt ihr anfassen, aber wenn ihr das Fett an die Jacke kriegt, hilft nur rausschneiden“,warnt Zander.„Wie tibetanische Gebetsmühlen“, sagt Thorsten Haase. Er ist aus Oldenburg angereist und frischt sein Wissen auf. „Ich war vor 40 Jahren schon mal im Ruhrgebiet, aber da war noch alles in Betrieb.“ Zander erzählt Dönekes und harte Fakten. Von 1000 Menschen, die hier mal gearbeitet haben, von Krach und Staub und Hitze. In einer Kokerei wird Steinkohle auf über 1000 Grad erhitzt – so entsteht Koks, der wegen seines höheren Koh- lenstoffgehalts ein besserer Brennstoff als Koh- le ist. In Spitzenzeiten drückten die 314 Öfen über 5000 t Koks amTag. Geht man an den schlanken, hohen Kammern der Öfen längs, glaubt man ei- ne Ahnung von der Glut zu kriegen. Die Ausmau- erung sieht nicht nach feuerfest aus, sie ist brö- ckelig und schwarz wie Schlacke – irgendwann doch Opfer des über 1000 Grad heißenHöllenfeu- ers geworden.So gut wie immer stand eineweiße Wolke über Huckarde.Wenn nach 20 Stunden ei- ne Ladung fertig gegarten Kokses aus einem der Öfen mit Wasser gelöscht wurde, ließ ein Tem- peratursturz um 850 Grad binnen Sekunden den Dampf in denHimmel schießen.Und das passier- te alle vier Minuten.„Mein Vater hat hier gearbei- tet“,erinnert sichHeike Strotmann.Erinnerungen müssen wiederbelebt werden. In der Maschinenhalle schmeißt Zander eine der fünf je 450 Tonnen schweren Kompressoren an. Sie verdichteten früher das Gas, damit es trans- portfähig wurde. Die Millionen Kubikmeter wur- den ins Fernwärmenetz eingespeist.Schmatzend setzt sich die mehrere Meter lange Pleuelstange in Betrieb. Schwerindustrie im Wortsinn und ein Leerlauf für Wissbegierige. Noah (7) nimmt am Ende ein Andenken mit – einen Fleck am Ärmel. Noahs Mutter Conny Link lacht. Panoramarundgang mit Fettfleck, zwischen November und März dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr. Gucken geht in Teilbereichen allei- ne, wer aber mehr erfahren will, sollte sich einer Führung anschließen. Denk mal darüber nach, wie das war, als die schwarzen Schwestern Huckardes, Zeche und Kokerei Han- sa, noch kein Denkmal waren. Wer an diesem Herbstmorgen an der Be- gehung des Industriedenkmals Ko- kerei Hansa teilnimmt, bekommt ei- ne Ahnung davon, wie sehr der Ort von Kohle und Koks geprägt war. in Dortmund Ausgabe 04 /2017 19 1 8

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