Mietermagazin 02/2018

Anzeigen Wilhelm Bergmann GmbH Am Remberg 117a · 44269 Dortmund Tel. 41 75 03 · Fax 42 28 93 · www.gws-bergmann.de E-Mail: gwsbergmann@gmx.de HEIZUNG Anzeige DOGEWO21 ben zu entgleisen drohte D ie Kartons stapeln sich noch vor der Wohnungs- tür. Sie sind leer. Den größ- ten Teil ihres Mobiliars haben sie hinübergerettet aus dem Hanni- bal in ihre neue Wohnung an der Grotestraße in Hörde. Drei Zimmer mit Balkon, knapp 70 Quadratme- ter. 560 Euro Miete, inklusive Hei- zung. Nein, die Wohnung im Han- nibal, 92 Quadratmeter groß, sei ja nicht schlecht gewesen, sagt Barbara Landowska.„Und auf dem Balkon hatte man einen schönen Ausblick.“ Sie habe aufs Stadion schauen können, ergänzt Tochter Nikola (15). Dennoch habe sie sich mit und in dem Hochhauskomplex „allein gefühlt. Man war hier iso- liert“. Hier in Hörde, nah an den Nachbarn und Geschäften, über- haupt nah am Leben, hier sei das anders. „Ich bin zufrieden“, sagt Barbara Landowska. An eine Rück- kehr in ihre Hannibal-Wohnung denkt sie nicht. „Nie wieder Hoch- haus“, ergänzt ihre Tochter. Langsam, ganz langsam, kehrt die Normalität in ihr Leben zurück. Doch ihre Erzählungen, ihre Schil- derungen lassen ahnen: Verarbei- tet haben sie das alles noch nicht. Zu tief sitzen die Erinnerungen. An die erste Nacht, die sie mit Decken im Auto verbracht hatten, nach- dem kurz zuvor die Feuerwehr ge- kommen war und sie aufgefordert hat, ihre Wohnung wegen„mas- siver Brandschutzmängel“ bin- nen zehn Minuten zu verlassen. Sie ließen das Autoradio laufen, die ganze Nacht, „am Morgen war die Batterie leer“, erinnert sich Ni- kola. Während andere Bewohner in Notunterkünften einquartiert wurden, zogen Mutter und Toch- ter in die Wohnung von Bekannten an der Fine Frau in Dorstfeld. Weil dort bereits eine weitere Familie aus dem Hannibal Zuflucht gefun- den hatte, lebten sie „mit sieben Menschen, zwei Katzen und einem Hund auf 70 Quadratmetern.“ An Arbeiten war für Barbara Landow- ska als Selbstständige in der Ge- bäudereiniger-Branche während dieser Zeit nicht zu denken. Sie sei „fast jeden Tag zwischen Woh- nungsamt und Sozialamt hin und her gependelt“, schildert die Frau. Ihre Tochter Nikola habe kurz vor dem Zusammenbruch gestanden und sei in eine Jugendschutzstel- le geflüchtet. Es sei zunächst wie „eine Erlö- sung“ gewesen, als ihr das So- zialamt für den Übergang eine notdürftig möbilierte Drei-Zim- mer-Wohnung in Lanstrop zuwies. „Nur war das eben sehr weit drau- ßen“, sagt Tochter Nikola, die täg- lich mit dem Taxi zum Reinoldus- und Schiller-Gymnasium in Dorst- feld gebracht werden musste. Die Kosten übernahm die Stadt Dort- mund; die Ermahnungen an Niko- la, doch bitte pünktlich zum Un- terricht zu erscheinen, ihre Lehrer. Es war ein Leben im Provisorium und die Perspektive unklar: An eine Rückkehr in ihre Wohnung im Han- nibal, so viel war inzwischen klar, war vorläufig nicht mehr zu den- ken. Noch heute kann niemand mit Gewissheit sagen, wann der Kom- plex mit seinen 412 Wohnungen überhaupt wieder bezogen werden kann. „Rund zehn Jahre“ haben Barbara Landowska und ihre Toch- ter dort gelebt; haben den Boden mit Laminat verlegt und sich ihre Wohnung auf eigene Faust herge- richtet. Und jetzt? Dann der dritte Umzug: Es ist eng auf dem Wohnungsmarkt, al- so musste wieder eine Übergang- wohnung her, diesmal in der Mün- sterstraße.„Kein schönes Umfeld“, fasst Tochter Nikola ihre täglichen Beobachtungen aus dem Fenster zusammen. Ihre Mut- ter zerschneidet ein Betttuch und hängt es vor das Küchen- fenster. Nach einer Odyssee von Wohnung zu Wohnung hat Barbara Landow- ska in der Grotestraße in Hörde endlich eine feste Bleibe gefunden. Fortsetzung 9 Ausgabe 02 /2018

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