Mietermagazin 03/2018

DORTMUNDER HERBST 03.–07.10.2018 Messe Dortmund www.dortmunder-herbst.de GANZ SCHÖN GEMÜTLICH! 060118_DH18_AZ_214x96_HausWohnen_RZ.indd 1 01.06.18 13:00 Anzeige „Überbrückung Schlaffseil“ steht am Führerstand der Demag-Winde und „Fettschmierpumpe ein“. Die Hun- te hängen mittig am Stahlseil, und wenn man nicht den Baum sehen würde, der sich seitwärts aus der Lore ins Licht drängt, könnte man annehmen, der Apparat sei gera- de ausgeschaltet worden. Aber nur fast: Rost, Staub, Dreck bemächtig- ten sich der Apparatur, niemand kann den Verfall mehr aufhalten. Einer geht am Ende der Gruppe über die Gitterstufen, immer allein und immer vorsichtig. Björn Stemmer lei- det unter Höhenangst und akzeptiert den Gewinn, um sich damit zu the- rapieren – klappt ungefähr bis Me- ter 60, dann bleibt er stehen und ta- stet sich zurück. Die letzten 20 Me- ter bis zur Plattformmuss er passen. Kriegt so nicht mit, wie alle anderen über das weite Land blicken und He- cker-Wolf auf ein Gelände hinweist, auf dem die Kreuzkröte eine Wei- terentwicklung stoppt und ein an- deres, auf dembrütende Flussregen- pfeifer eine Entwicklung zumindest verzögert haben. „Da vorne ist dein Stadion“, ruft Buchner seinem Kum- pel Thomas Pelz zu. Er hat eben den Blick fürs Wesentliche. „Nee“, antwortet Ingeborg Borne- mann auf die Feststellung ihres Mannes Peter,der dieMetamorphose von Phoenix-Ost hin zu einemWohn- gebiet mit See und Phoenix-West zu einem Technologiestandort begrüßt. „AmPhoenix-See gefällt es mir über- haupt nicht“, stellt die Hörderin ent- schieden fest,„viel zu voll.“„Mir fehlt nix“, hält Peter Bornemann dagegen, „sie haben was abgebaut, aber auch wieder was aufgebaut.“ Auf jeden Fall sei Hörde sauberer geworden, „weil, wenn die früher abgeblasen haben, war die Wäsche auf der Leine wieder dreckig“. So weit oben neben all dem rostigen Stahl, der sich links und rechts auf- türmt, kommt Edgar Gansling ins Grübeln. „Was war eigentlich vorher da“, fragt er,„das Stahlwerk oder der Stahl?“ Schöpfte Phoenix aus sich selbst? Masterfrage! Hecker-Wolf ging in der Historie immer weiter zu- rück bis hin zu Puddel- und Renn­ öfen, die im 18. Jahrhundert ihre Ver- breitung fanden. Eine Hochofen-Vor- stufe, die pro Schmelzvorgang umdie 250 kg Stahl brachte. Der begehbare Phoenix-Hochofen V., so geschicht- lich er heute auch wirkt, stammt erst aus dem Jahr 1962 und hatte eine Tagesleistung von mehreren 1000 Tonnen. Zur ungefähr 40 Personen starken Besuchergruppe gehörten auch Liu und He, zwei Studentinnen aus Pe- king. Sie bilden im Grunde die Brü- cke vom Ende der Stahlära in Dort- mund zu einem Neubeginn in China. Denn nachdem der Standort Pho- enix-Ost am 23. April 2001 stillgelegt wurde, bekamen chinesische Koo- perationspartner von ThyssenKrupp den Zuschlag, sich aus dem Gelän- de jegliche gewünschte Ausrüstung herauszuholen. Nach und nach ver- änderte sich also die Silhouette des Werkes. Weiß man, ob es sich für die Chinesen gelohnt hat? „Ich glaube“, sagt Liu und lacht, „die Öfen laufen nicht so gut.“ „Er hat oft geflucht“, erinnert sich Jörg Kujat an seinen Vater, der auf Phoenix als Schweißer gearbeitet hat. Im Winter auf der zugigen Kran- brücke den Lichtbogen aufblitzen lassen, imSommer am heißen Hoch- ofen,„besser wäre schon umgekehrt gewesen“.Wer weiß schon,was wann immer passiert? Dortmund ohne Stahl, das war lange Zeit undenkbar. Ist aber so gekommen. Doch Stadt- geschichte kannman festhalten, und das nicht nur in Büchern. Nicht je- der Gewinn hat einen Mehrwert, der bleibt. Dieser aber. Rostig, trotzig, aufrecht. „ Nach dem Abstich war der Himmel rot. ‘Die Engel backen Plätzchen‘ ... haben wir zuhause immer dazu gesagt. “ Niveau Auf den Spuren der Ver- gangenheit: Auf dicken G i cht gasade r n ma r- schieren die Besucher wie durch eineMuseums- landschaft. Am 23. April 2001 wurde der Stahl- standort Phoenix-West stillgelegt. Daran hängen viele Erinnerungen. 13 Ausgabe 03 /2018

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