Mietermagazin 03/2018

20 DOGEWO21 Mietermagazin Anzeige Ä lter wirdman von alleine. Aber das auch hinzunehmen, fällt Lisel Scheer (84) schwer. Über 4000 Kinder hat sie als Hebamme bei deren Eintritt ins Leben beglei- tet, aber ihren persönlichen Aus- gang in den Ruhestand hat sie nur schwer gefunden. Ein Augenleiden verschlimmerte die Situation noch. „Ich bin in ein ganz tiefes Loch ge- fallen“, erinnert sie sich. Aber raus findet man bestenfalls gemeinsam mit anderen. Das Eugen-Krautscheid-Haus an der Lange Straße 42:Hell scheint die Sonne in den Gemeinschaftssaal, die Senioren sitzen in Gruppen zu- sammen. In der Tagespflegeeinrich- tung verbringen sie ihre Zeit, die An- sprache, das Spiel, die Gemeinsam- keit werden zu einem Lebenszweck. All das verhindert, dass sich die Ta- ge dehnen, bis sich einem die Lan- geweile aufs Gemüt legt. „Wir haben hier 34 Gäste pro Tag“, sagt Mirko Pelzer, Bereichsleiter Senioren bei der Dortmunder AWO. Senioren, die der Fahrdienst auf Wunsch zuhause abholt und wieder zurückbringt, die zwischen acht und 16 bzw. 19 Uhr ihre Zeit dort verbrin- gen, einschließlich der Mahlzeiten. Da schätzungsweise zwei Drittel aller Senioren von Angehörigen ver- sorgt werden, dient der Aufenthalt nicht nur ihremeigenen Pläsier, son- dern auch der Entlastung der Fami- lie zuhause. „Theoretisch“, sagt Pel- zer, „können sie täglich kommen. Oder ein-, zweimal die Woche oder alle 14 Tage.“ Käme halt immer auf den Entlastungsbedarf an, den die Familie geltend macht. Ein Beratungsgespräch findet vor- her statt. „Außerdem bieten wir ei- nen kostenlosen Probetag an“, er- klärt Pelzer, „dann einigt man sich auf die entsprechenden Besuchs- tage.“ In allen vier Betreuungsein- richtungen der AWO, neben dem Krautscheid-Haus sind das noch Einrichtungen in Kirchhörde (Hoh- le Eiche), Wickede an der Meylant- straße sowie im Norden der Stadt an der Westhoffstraße, sind der- zeit 160 Versorgungsverträge ab- geschlossen, davon über 60 an der Langen Straße. Auch Veronika de Stefano (72), Eri- ka Giesecke (88) und Friedrich Hart- mann (85) mussten sich ihren Weg ins Seniorendasein erst bahnen. Be- ruf und Familie, die Arbeit und das Leben daheim mit den Kindern, all das was sie Jahrzehnte forderte,war irgendwann vorbei oder hatte sich geändert. Dass einer zurückbleibt, gehört ebenfalls zur Wahrheit. „Ir- gendwann ist alles aufgeräumt und gelesen“, erklärt Hartmann, „aber der Tag hat ja 24 Stunden…“ Hier spielen sie Karten, machen Gymna- stik, gehen spazieren in den West- park, singen altbekannte Lieder. Ge- dächtnistraining gehört ebenfalls dazu, in Koch- und Backgruppen werden Rezepte ausprobiert. „Wir knüpfen oft an alte Zeiten an“, sagt AWO-Mitarbeiterin Petra Zielke. Sie hat ein Ziel, das es jeden Tag zu er- reichen gilt, und das ist – Lachen. „Mal die Wehwehchen vergessen“, meint sie, „hier geht keiner nach Hause, der nicht gelacht hat.“ Von Seiten des Hauses werde ebenfalls auf die jeweiligen me- dizinischen Verordnungen geach- tet. Insgesamt gehe es darum, die Selbstständigkeit der Gäste so lan- ge wie möglich zu erhalten und ei- nen Heimeinzug zu verzögern oder zu verhindern. Petra Zielke hat ein Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel aufgebaut. Hier ärgert keiner kei- nen mehr. „Man hat ja vorher schon gewusst, dass alles weniger wird“, sagt Erika Giesecke leise, „aber es muss ja weitergehen…“ Friedrich Hartmann hat zwei Sechsen hinter- einander. Soll mal einer sagen, mit dem Glück im Alter wäre es vorbei. AWO-Tagespflege Eine Mütze voller Abwechselung Was tun, wenn das Berufsleben lange zu Ende ist? Wenn man älter wird und vielleicht allein dasteht? „Irgendwann“, sagt Friedrich Hartmann (85), „ist ja auch alles aufgeräumt und gelesen.“ Die Tagespflegeeinrichtungen der AWO bieten ihm und weiteren Senioren Abwechselung. Gemeinsamkeit vertreibt Langeweile, und ohne gelacht zu haben, geht keiner aus dem Haus. Auch Friedrich Hartmann (72) genießt die Abwechselung im Eugen-Kraut- scheid-Haus. Mirko Pelzer, AWO-Bereichsleiter Se- nioren, und Mitarbeiterin Petra Zielke.

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