Mietermagazin 04/2018

20 DOGEWO21 Mietermagazin Anzeige E iner der Nutznießer der Einrichtung ist Ernst Kremer. Der 78-jährige Rentner versorgt seit einigen Jahren bereits seine an Demenz erkrank- te Frau Karin. Und er ist froh darüber, dass ihmdie Tagespflege Zeit gibt, durchzuatmen, Dinge zu er- ledigen mit der Garantie, seine Frau gut unterge- bracht zu wissen. Heute weiß er, dass er zu lange damit gewartet hat.„Ich bin selber darüber krank geworden“, sagt er, „ich hätte mich früher dazu entscheiden sollen, aber ich dachte, ich könnte es alleine schaffen.“ Er profitiert ebenfalls von der Möglichkeit, sichmit Angehörigen anderer Er- krankter auszutauschen. Jeder kennt schließlich die Not des anderen – man wird etwas los, was lange auf der Seele lag. Kornelia Groß, die Leiterin der Ein- richtung, kennt das. „Der oder die Kranke werden ja stark umsorgt“, meint sie,„aber die Ehepartner oder Kinder opfern sich dabei auf.“ Man müsse sie von ihrem schlechten Gewissen befrei- en, denn feststehe:„Wenn sie nicht mehr können, müssen die Demenzkranken ins Heim.“Tagespfle- ge, so kann man es vielleicht ausdrücken, ist das Festhalten an einem Rest von Normalität, am Zu- sammenbleiben.Und der Rückeroberung von frei- er Zeit für alle Angehörigen, die pflegen. Montags, mittwochs, freitags ist die Einrichtung von 7.30 bis 19 Uhr geöffnet, dienstags und don- nerstags von 7.30 bis 16 Uhr. „Alle vier Wochen bieten wir den Aufenthalt am Wochenende an“, so Groß. Wer regelmäßig das Wochenende nut- zen möchte, kann das ebenfalls. Die AWO-Tages- pflege umfasst vier Häuser, neben dem Kraut- scheid-Haus an der Lange Straße sind dies die Einrichtungen in Kirchhörde (Hohle Eiche),imNor- den der Stadt an der Westhoffstraße und eben an der Meylantstraße.„Ein Haus hat immer geöffnet, bei uns kannman jeden Tag imMonat einen Ange- hörigen unterbringen“, sagt Kornelia Groß. Ange- hörige von Erkrankten, die nicht mehr selber hin- term Steuer sitzen wollen, haben die Möglichkeit, den Fahrdienst nutzen, der auch Rollstuhlfahrer transportiert. Und wie teuer ist das? Mirko Pel- zer, Bereichsleiter Senioren bei der Dortmunder AWO, macht eine Rechnung auf. „Wenn wir einen Pflegegrad 3 bei einemPatienten voraussetzen, der drei Mal die Woche kommt – egal, ob ganze oder halbe Tage – entstehen in et- wa Kosten von 80 Euro imMonat, wenn der Entla- stungsbetragmit eingesetzt werden kann.“Das ist ein Betrag in Höhe von bis zu 125 Euro, den Pfle- gebedürftige aller Pflegegrade (1 bis 5) erhalten, die ambulant gepflegt werden.Wie in allen weite- ren AWO-Tagespflegeeinrichtungen, sind imHaus an der Meylantstraße nach Absprache kostenlose Probetage möglich. Das Ringen umNormalität tut indes nicht nur den Angehörigen gut, sondern auch den Erkrankten. „Wir kochen hier jeden Tag frisch“, erklärt Korne- lia Groß, und das auch, weil Tätigkeiten wie Ge- müse putzen, schnippeln und schneiden oder Ku- chen belegen allgemein erst sehr spät verloren gehen. Gartenarbeit, das Spazierengehen, aber auch Puzzlen und Malen geben den Tagen Struk- tur, bieten Training und Erinnerungsanker. Aus einem Raum klingen Lieder, im nächsten wird et- was vorgelesen.„Uns tut das gut“, fasst Ernst Kre- mer zusammen,„meine Frau ist ruhiger geworden – und ich auch.“ AWO-Tagespflege in Wickede Das Ringen um Normalität Mit dem Abschluss der Bauarbeiten hat die AWO-Tagespflege in Wickede ihre Kapa- zitäten aktuell erweitern können. Statt bisher 12 können nun täglich 19 an Demenz erkrankte Menschen im Haus an der Meylantstraße 85 betreut werden. Das Team der AWO-Tagespflege aus dem Haus an der Wickeder Meylantstraße. „ ich hätte mich früher dazu entscheiden sollen … “

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