Mietermagazin 04/2018

E s war 2003, als Heinrich Hoffmann in das DOGEWO21-Haus an der Heiligegartenstraße 27 zog. Wenige Monate zuvor, im November 2002, hatte die Stadt Dortmund das schräg gegenüber- liegende Haus an der Kielstraße 26 zugemauert. Beide Häuser sind baugleiche Zwillinge. Die Pla- nungen für beide Objekte hatte die damaligeWest- fälischeWohnstätten AG übernommen, ein Vorläu- fer der Veba, die es ebenfalls nicht mehr gibt. Das Haus an der Kielstraße, fertiggestellt 1969, baute die Veba selber. Für das Haus an der Heiligegar- tenstraße hingegen (Fertigstellung 1970) war die Gemeinnützige Treuhandgesellschaft Wohnungs- bau zuständig, eine Tochter von DOGEWO21. So unterschiedlich beide Gesellschaften, so unter- schiedlich der Werdegang der Hochhaus-Zwillinge. Das Haus Kielstraße 26, längst als „Horrorhoch- haus“ verschrien, ist ein Musterfall für eine miss- glückte Privatisierung: 1994 war es von der Veba an eine private Gesellschaft in Süddeutschland verkauft worden. Die überfällige Modernisierung blieb aus. Mit dem Ziel, schnelles Geld zu ma- chen, wandelten die neuen Hausherren die be- reits heruntergekommen Mietwohnungen in Ei- gentumswohnungen um und reichten sie über- teuert an gutgläubige Privatpersonen weiter. Es dauerte nicht lange, und die ersten Käufer konn- ten ihre Bankkredite nicht mehr bedienen;zu spär- lich die Einnahmen aus den Wohnungsmieten. Als selbst Strom- und Wasserkosten nicht mehr be- glichen wurden, drehte DEW21 im April 2002 den Hahn zu. Die letzten Mieter verließen das Haus. Seitdem ist die Stadt bemüht, das Einverständnis der Noch-Eigentümer für den Abriss einzuholen. Ende des Jahres soll es soweit sein. Heinrich Hoffmann aus dem Haus an der Heilige- gartenstraße sagt, er könne nicht klagen. Geht er auf seinen Balkon an der Südseite, genießt er eine Aussicht auf die Silhouette der City mit der Reinol- dikirche. Während der Zwilling an der Kielstraße vor sich hin gammelte, hat DOGEWO21 2006/2007 rund eine Million Euro investiert:Neben dem Aus- tausch der Aluminiumfenster gegen isoliervergla- ste Scheiben wurden die Fassaden neu gestaltet und mit prägnanten Farben versehen. Gestalte- rische Akzente hat DOGEWO21 auch in Etagen- fluren, Treppenhäusern und im Eingangsbereich gesetzt – und dabei ausdrücklich Vorschläge und Anregungen der Mieter aufgenommen. Unter- schiedlicher, findet Heinrich Hoffmann, hätte die Entwicklung der Zwillinge nicht sein können. Der Kontakt zu seinen Nachbarn sei gut, sagt er.„Hier will ich wohnen bleiben.“ Das Haus an der Heiligegartenstraße war so- gar Bestandteil der „Route der Wohnkultur.“ Da- rauf weisst eine Hinweistafel vor der Haustür hin. Sie erinnert an die Historie der beiden Häuser. Wie heißt es dort: „ Erfolg und Missmanagement einer solchen Wohnimmobilie können nahe bei­ einander liegen.“ In der Nordstadt Die ungleichen Zwillinge Beide Häuser haben 18 Geschosse und 102 Wohnungen. Sie wurden aus einer Hand geplant und fast zeitgleich fertig- gestellt. Damit enden auch schon die Gemeinsamkeiten der „Zwillinge“ in der nördlichen Innenstadt. Das Haus Kiel- straße 26 machte als „Horrorhochhaus“ von sich reden, während das fast gegen- überliegende Haus Heiligegartenstraße 27 städtebauliche Akzente setzt. Anzeige Das Haus Kielstraße 26 (l.) ist abgängig, das baugleiche Gebäude von DOGEWO21 (r.) dagegen gut in Schuss. 21 Ausgabe 04 /2018

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