Mietermagazin 02/2019

M orning Bärbel!“ Wer jetzt denkt, das sei eine eher unübliche Begrüßung für eine 77-jährige Dame,die gerade die Tür hereinkommt,der irrt – es ist die übliche. Zumindest für die Teilnehmer der Englisch-Sprachgruppe 65+, die sich wöchentlich in der DOGEWO21-Nachbarschaftsagentur Wam- bel an der Geßlerstraße 2 trifft, um die englische Sprache zu lernen. Oder um einmal Gelerntes auf- zufrischen. Es handelt sich dabei um ein gemein- sames Angebot von DOGEWO21 und der Diakonie. „Mit der Einrichtung des Kurses sind wir 2017 einemWunsch nachgekommen“, erinnert sich Ca- rola Wagener-Ernst, die den Kurs leitet. „Es gab bereits eine Englischgruppe für Kinder, und es wa- ren die Senioren, die fragten:warumnicht auch für uns?“ Da es Nachbarschaftsagenturen zu eigen ist, auf Impulse der Mieterschaft einzugehen, re- agierte man schnell. „Zu unserem ersten Treffen kamen bereits um 20 Interessierte“, so die 53-jäh- rige Pflegewissenschaftlerin und Diakoniemitar- beiterin, „ich habe mit höchstens fünf oder sechs gerechnet.“ „Good Morning Hildegard!“ Nach und nach füllt sich der Raum, auf dem Tisch liegt englische Lek- türe, darunter Lernkrimis mit Titeln wie „The Mur- derer Next Door“. Interessant soll es schon sein, schlichtes Büffeln ist eher verpönt. Man will sich unterhalten.Wenn Ältere zusammenkommen,geht es immer auch um das Drumherum. Um „Teatime“ und Aktionen. „Wir freuen uns, wenn wir uns tref- fen“, sagt Bärbel Malzahn. Geht dann auch ohne Englisch. Elvira Stickel hat die Treppe genommen, um den Kurs zu besuchen: „Mein Enkel hat mir eine Lern- CD geschenkt und gesagt:Oma fang dochmal an…“ Sie wohnt zwei Stockwerke drüber und ist das erste Mal da – kurzer Weg zum Lernerfolg. Wie in- dividuell die Arbeit hier ist, verdeutlicht Hildegard Schreiner. Die 85-jährige ist schwerhörig, und weil das bei Senioren kein ganz seltenes Merkmal ist, bemühte sich Wagener-Ernst um eine Förderung. Mit Erfolg:Das Bundesministerium für Familie,Se- nioren, Frauen und Jugend hat den Kurs als eines von 40 Leuchtturmprojekten ausgewählt und un- terstützt ihnmit einer Höranlage.Vielleicht trauen sich nun noch andere raus aus ihrer immer stiller werdenden Lebenswelt. Es scheint, als wollten sie sich ein wenig heraus- arbeiten aus all den Jahren. Denn wer nicht mehr ganz so flott zu Fuß ist, kann immer noch fix im Kopf sein. Sie unterstützen sich vokabelübergrei- fend. Monika Köhler spielt nun auch mit Ingrid Steeger Karten. Köhler hat ebenso wie Hildegard Schreiner einenSchrebergarten.„SiewollteZiegel- steine haben, die ich nicht mehr brauchte“, erzählt Schreiner,„dafür habe ich von ihr Erdbeerpflanzen gekriegt.“ Ingrid Steeger (77) hat für die Entwick- lungshilfe sechs Jahre in Afrika zugebracht, für sie ist der Kurs sprachliche Erneuerung. Werner Lan- ge (79) hingegen hat nie Zeit gefunden, Englisch zu lernen. „Wir hatten’s in der Schule nicht“, sagt er lapidar. Und Nina Lenschizki (70) möchte gerne ih- remEnkel behilflich sein,wenn’s ums Lernen geht. Elvira Stickel hat die 65 Jahre noch nicht erreicht. Ist aber kein Problem. „Es darf jeder kommen“, meint Wagener-Ernst, „der Kurs geht bis 90!“ Hil- degard Schreiner (85) guckt spaßeshalber ernst. „Oh“, reagiert die Kursleiterin,„ich hätte wohl bes- ser 120 gesagt…“Guter Geist und Anspruch gehen hier offenbar eine echte„neighbourhood“ ein. Und wer dabei seinmöchte,der meldet sich einfach un- ter 0172/6193821. Im Englisch-Kurs für Senioren „Oma, fang doch mal an…“ Jeder, der mitmachen will, darf kommen: Und sie kom- men, die Seniorinnen und Senioren, die Englisch ler- nen möchten. Ein Kurs, den DOGEWO21 und das Diako- nische Werk anbieten. Für das Bundes-Familienminis- terium ist das Angebot ein „Leuchtturmprojekt“. Wilhelm Bergmann GmbH Am Remberg 117a · 44269 Dortmund Tel. 41 75 03 · Fax 42 28 93 · www.gws-bergmann.de E-Mail: gwsbergmann@gmx.de HEIZUNG Foto:©titonz /123RF.com 11 Ausgabe 02 /2019

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