Mietermagazin 02/2019

chen. Stöbern ist während der Öffnungszeiten von zehn bis 19 Uhr jeweils dienstags und frei- tags erlaubt. Man greift in die Hängeschränke, zieht die Fächer heraus und ist sofort im Zwie- gespräch mit Farben und Formen. Manchmal ist es die Prominenz eines Künstlers, mitunter aber auch der Aufforderungscharakter, die Aussage eines Werkes, die einen augenblicklich interes- sieren. Allerdings offenbart sich die Tiefe eines Objekts nicht immer beim ersten Anblick. „Sich ein Bild auszuleihen“, findet Lohmann,„geht über einen Museumsbesuch hinaus, weil man sich über einen längeren Zeitpunkt damit auseinan- dersetzen kann.“ Manchmal muss man sich den Zugang auch erarbeiten.„Kunst ist eine fortwäh- rende Inspirationsquelle“, findet er. Im Übrigen nicht nur für daheim, sondern auch für das Büro, sagt Heike Adrian:„Die meisten sind zwar Privat- kunden, wir haben aber auch Anwaltskanzleien und Arztpraxen in unserer Adressenliste.“ Dass Kunstwerke mal beschädigt zurückkämen, pas- siere alle paar Monate. Nichts Schlimmes in der Regel,mal sei es der Rahmen,mal das Glas, was es zu reparieren gelte. Aber aufpassen müsse man schon,mahnt sie,„das sind schließlich kei- ne Poster – das sind signierte Werke“. Eine Dame kommt mit ihrem Sohn in die Aus- stellung. Sie bleiben vor einigen Bildern stehen, sprechen darüber. Ob der junge Mann sich denn vorstellen könne, sich die Bilder für Zuhause auszuleihen, lautet die Frage. „Nee, eher nicht“, meint er, „für das Abholen und Hinbringen al- le drei Monate wäre ich wohl zu faul.“ Auch eine Form der ehrlichen Auseinandersetzung mit der Kunst. Dabei organisiert die Artothek den Hol- und Bringdienst vorbildlich, indem sie neben dem Haupteingang zur Bibliothek einen kleinen Park- platz für die Kunden zur Verfügung stellt. Man muss also mit dem Picasso unterm Arm nicht noch 20 Minuten zu Fuß gehen. Dass die Artothek den Transport nicht übernimmt, sei eine Frage der Rechte, der Kunde müsse das selber überneh- men. Dies zu organisieren, würde das Ausleihen überdies nur teurer machen. An der Wand lehnt ein Bild von Günter Grass, der neben seinem literarischen Werk auch ein um- fangreiches bildnerisches hinterlassen hat. „Es heißt „Meine Schuhe“ und ist von 1975. Dane- ben das Bild „Buopal III“ des französischen Ma- lers und Grafikers Victor Vasarely, schließlich ein Druck Dalis mit dem Titel „Der Traum der roten Rose“ sowie Picassos „Der Tanz“, signiert am 25. Juli 1961. Bilder, die verschiedene Stilrichtungen, Epochen, Leben dokumentieren. UndModen?„Es gibt auch in der Kunst Moden“, bestätigt Heike Adrian. Es gehe derzeit in Richtung großforma- tiger und abstrakter Bilder, die Phase der Holz- schnitte sei eher vorbei. Und Fotografien seien gefragt, fügt Lohmann an. Wie zur Bestätigung fällte der Blick auf eine Fotografie von Robert Lebeck. Sie zeigt die immer traurig-glückliche Romy Schneider. Etwa 2.500 Ausleihen jährlich sind in der Statistik vermerkt. Bernd Lerp undMathias Gläser werden in der diesjährigen Ausleihsaison mit Sicherheit wieder dabei sein. Sie wissen nur noch nicht, in welche Richtung es gehen soll. Aber Stöbern ist ja gefragt in der Artothek. Der Kunde muss kom- men. „Die Bilder gibt es nur hier“, sagt Lohmann und lächelt, „und zwar live und in Farbe.“ Bürger können aus 1.400 Gemälden, Grafiken, Skulpturen und Collagen wählen. 13 Ausgabe 02 /2019

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