Mietermagazin 03/2019

„Strecken, beugen, nachfedern“oder „Hüfte,Knie und Fuß sind immer eine Achse!“ Es gab Zeiten, da hätte Die- ter N. möglicherweise über die Kom- mandos und Hinweise von Andrea Reichert gelacht.Damals, als er noch Judoka war. Aber die liegen lange zu- rück für den 68-jährigen, den imAlter von 31 Jahren ein Hirnbluten aus der Bahn warf. Seitdem ist er rechtssei- tig gelähmt und weiß, wieviel Gutes auch in kleinen Bewegungen liegen kann. Sport ist nicht nur Spitzen- sport, Sport ist Bewegung im Rah- men dessen, was möglich ist. Der ehemalige Bauschlosser ist an die- sem Morgen einer der 15 Senioren, die sich in der AWO-Tagespflege des Eugen-Krautscheid-Hauses an der Lange Straße 42 fit halten. „Mir geht es einfach besser, wenn ich mich be- wege“, sagt er. Der Kurs, den Andrea Reichert,Lehrerin für Gesundheit und Sportrehabilitation, leitet, fällt un- ter den Oberbegriff Sturzprophylaxe. „Ein neues Angebot, eine kostenlo- se Extraleistung für unsere Gäste“, so Kerstin Jung, Leiterin der vier Ta- gespflegeeinrichtungen, die die AWO in Dortmund unterhält. Neben dem Krautscheid-Haus sind dies der Möllershof in Löttringhausen (Hohle Eiche 81),dieTagespfle- ge an der Westhoffstra- ße 8-12 in der Nordstadt sowie dieEinrichtung anderMeylant- straße 85 in Wickede. „Die Sturzpro- phylaxe wird gut angenommen. Ich gehe davon aus, dass wir den Kurs bis Ende des Jahres auch in den an- deren Häusern anbieten.“ Apropos Tagespflege: „Unser Angebot ist auf die Familien zugeschnitten–wer will, der kann z.B.einmal in 14Tagen kom- men oder auch jeden Tag.“ Von 7.30 bis 16 oder 19 Uhr. Eine große Er- leichterung für pflegende Angehöri- ge. Und ein sinnvoller Aufenthalt für die Gäste. Kleine Übungen sind es, mit denen Reichert die Beweglichkeit ihrer Kur- steilnehmer erhalten, deren Musku- latur stärken möchte. „Wer beweg- lich ist, der fällt weniger“, sagt sie, „und wer kräftigere Muskeln hat, der kann sich besser abfan- gen.“ Erfahrungen mit Stürzen haben sie al- le.„Ich bin erst letztens aufs Gesicht gefallen“, schildert Renate G. (80). Annelore D. (90) ist gerade von einem Schlüsselbeinbruch genesen,den sie sich bei einem Sturz zugezogen hat. Und fast allen ist es wie Helmut B.er- gangen. „Ich weiß nicht, wie es pas- siert ist“, erinnert sich der 79-jähri- ge, „aber auf einmal war ich unten.“ Sie müssen aufpassen, das ist ihnen klar – aber es passiert halt trotzdem. Regina S. sitzt im Rollstuhl und ist trotzdem einmal die Woche dabei. Sie hat sich das Motto des Ex-Welt- handballers Joachim Deckarm, der seit seinemSportunfall 1979 einPfle- gefall ist, zu eigen gemacht:„Ich will nicht, ich kann nicht – ich muss!“ Andrea Reichert macht die Übungen vor, erklärt, gibt Tipps, wie man sich zuhause vor Stürzen schützt und wie man wieder aufsteht. Immer wieder aufstehen - den Begriff kennt man schließlich auch vom großen Sport. AWO-Kurs zur Sturzprophylaxe Immer in Bewegung bleiben „ Mir geht es einfach besser, wenn ich mich bewege. “ „Ich weiß nicht, wie es passiert ist – aber auf einmal war ich unten.“ Wie Helmut B. (79) geht es vielen älteren Menschen, für die ein Sturz böse Folgen haben kann. Die AWO bietet Hilfe und Vorbeugung. Schon in kleinen Bewegungen kann viel Gutes liegen, wie die Kursteil- nehmer im Eugen-Krautscheid- Haus lernen. 17 Ausgabe 03 /2019

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