Mietermagazin 04/2019

„Da, die Mosaikjungfer, wo ist der Fotoapparat? Nee, sie bleibt nicht sitzen!“ Aber Brigitte Born- mann-Lemms Enttäuschung hält sich an diesemNachmittag imKlein- garten 85 der Anlage Nord an der Eberstraße in Grenzen. Das schil- lernde Insekt aus der Familie der Edellibellen verschwindet im Grün des Gartens, verdient aber trotz- dem einen Vermerk im Formular bei dieser NABU-Insektenzählung. Seit 2013 betreibt der Naturschutzbund das Areal in Eigenregie. 300 Nutz- pflanzen wachsen dort auf 382 qm – dieser Tisch im Dortmunder Nor- den jedenfalls ist reichlich gedeckt für vieles, was kreucht und fleucht. Round Up,Monsanto,Bayer,Glypho- sat gehören zu den Aufreger-Voka- beln dieses Sommers. Wer vor 30 Jahren mit dem Auto von Dortmund nach München fuhr, der musste un- terwegs zweimal stoppen, um die Scheibe von Insekten freizukratzen– heute fährt er durch.Alles sauber.In- zwischen weißman:Das ist die Sau- berkeit, die wir fürchtenmüssen. In- sektenspezialist Klaus-Dieter Lemm erwartet denn auch keine großartige Trendwende bei dieser Insektenzäh- lung, zu deren Teilnahme der NABU jeden aufgerufen hat, der sich die Zeit nehmen kann, eine Stunde im Grünen zu sitzen und anhand einer Zählhilfe, eines Beispielblatts, im Zehn-Meter-Umkreis zu notieren, was er so gesehen hat an Kleinem Fuchs,Streifenwanze,Ackerhummel und Co. „Um einen Trend feststellen zu können,muss man langfristig Er- gebnisse vergleichen“,meint Brigitte Bornmann-Lemms.Fest steht,„dass in den vergangenen 27 Jahren bei den Schmetterlingen und Insekten der Bestand um 80 Prozent zurück- gegangen ist“. Aufsehen erregten jüngst Berichte, dass in China inzwischenMenschen in Handarbeit das Bestäuben von Bäumen übernommen haben, weil Pestizide den Bestand von Insek- ten weitgehend vernichteten. Man muss nicht mehr dramatisieren als nötig, aber darauf aufmerksam zu machen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen, das empfindet der NABU als seine Aufgabe.Aufklärung ist das A und O. „Wir haben schon Hunder- te für den Naturschutz interessiert“, schätzt Brigitte Bornmann-Lemm. Ihre Erfahrung: „Wer ein-, zweimal bei der Insektenzählungmitgemacht hat, fängt an, über Pflanzen im Gar- ten nachzudenken.“ Oder über die auf dem Balkon. Dass das Problem bei den Leuten angekommen ist, beweist Besucherin Susanne Thiel. „Unser Garten ist noch zu ordent- lich“, hat sie festgestellt, „ich habe den Verdacht, dass er nicht beson- ders bienenfreundlich ist.“ Das soll sich ändern, hier bekommt sie die richtigen Tipps. Ja, die Biene. „Sie ist inzwischen nach Rind und Schwein das Nutztier Nr.3 in der Rangfolge – noch vor dem Huhn“, erklärt Klaus-Dieter Lemm. Er hat nichts gegen die Honigbie- ne, aber sie gehöre nicht in Natur- schutzgebiete,weil sie dieWildbiene vertreibe.„Sie ziehen aus allemNek- tar und nehmen ihn den Spezialisten weg.“ Viele der 550 Wildbienenar- ten seien gefährdet, die Honigbiene nicht. „Sie gehört dem Imker, und er kann so viele züchten, wie er will.“ Gleichwohl benötige man sie, weil die Wildbienen es nicht schafften, alles zu bestäuben. ´„Ah, ein Distel- falter“, freut er sich. Schwarzbraun FÜR SIE. MIT HERZ & MEISTERHAND. Hartwig & Schwibbe GmbH | Feldstraße 28-34 | 44141 Dortmund 24h Notruf | Telefon 0231 - 5 75 85 95 | www.hartwig-schwibbe.de Die Insektenzähler Sie sind im Garten unterwegs und halten auf Formularen akribisch fest, was sich im Zehn-Meter-Umkreis im Anflug befindet oder bereits gelandet ist. Ein Ergebnis können die Insektenzähler vom Dortmunder Naturschutzbund Deutschland (NABU) bereits vermelden: Der Bestand an Insekten hat sich dramatisch verringert. Jeder, der Zeit und Interesse hatte, konnte sich an der Aktion beteiligen. Lebensraum Garten 12 DOGEWO21 Mietermagazin

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