StadtWohnen - Mietermagazin 01/2020

Was sagen Kritiker? Am härtesten urteilt die Verbraucherorganisati- on „Foodwatch“. Für sie ist die Kennzeichnung „eine Mogelpackung“. Das Symbol garantiere eben nicht, dass es den Tieren gut gehe. Es beschreibe lediglich die for- malen Haltungsbedingungen, sage aber nicht aus, wie ein Tier aufgezogen, transportiert und geschlachtet werde. Zudem lobe das Kennzeichen in Stufe 1 bereits den Mindeststandard aus, der ohnehin gesetz- lich vorgeschrieben sei. Die Verbraucherzen­ trale NRW spricht von „mehr Transparenz“, meldet aber ebenfalls Kritik an: Der größte Teil des Fleisches, das im Handel angeboten werde, stamme aus der Produktion der Stufe 1 – aus Stallhaltung auf gesetzlichem Mindestniveau. Zwar gebe es eine Menge Verbraucher, die be- reit seien, Fleisch der Stufen 3 und 4 zu kaufen. Das werde aber viel zu wenig angeboten. Was sagen Kritiker? Verbraucherschützer bemängeln, dass es Landwir- ten/Produzenten freigestellt ist, beim staatlichen Tierwohlkennzeichen mitzumachen. Die Verbraucher­ organisation „Foodwatch“ argumentiert, ein freiwil- liges Siegel helfe nicht weiter. Vielmehr bedürfe es „klarer, gesetzlicher Vorgaben für bessere Tierge- sundheit in Ställen“. Warum jetzt noch ein staatliches Tierwohllabel? Das Tierwohllabel ist eine Auszeichnung für Fleischproduk- te, die über die gesetzlichen Vorgaben hinaus für mehr Tier- wohl stehen. Dabei werden alle Aspekte des Lebenszyklus betrachtet: von der Geburt über Aufzucht und Mast bis zu Transport und Schlachtung. Es geht also nicht nur um die Frage, wie ein Tier gehalten wird.Mit demTierwohllabel sol- len Verbraucher erkennen,welcher Produzent/Landwirt ins- gesamt mehr tut als er muss. Wie ist das staatliche Tierwohllabel aufgebaut? Es verfügt über drei Stufen. Jede Stufe, inklusive der ersten, geht über das gesetzliche Mindestmaß hinaus. Beispiel: Nach den Vorgaben des Gesetzgebers muss ein Schwein im Stall wenigstens 0,75 Quadratmeter Platz haben. Bereits in der ersten Stufe des neuen Tierwohllabels muss der Platz 20 Prozent größer sein. In der zweiten Stufe muss 47 Pro- zent mehr Platz sein, in der dritten Stufe rund 100 Prozent. Gibt es weitere Beispiele? In allen drei Stufen müssen Sauen vor dem Abferkeltermin Materialien zur Verfügung gestellt werden, um das Nest- bauverhalten zu befriedigen. Des Weiteren soll die Säuge- phase verlängert werden. Das gesetzliche Minimum beträgt 21 Tage. Für die erste Stufe des Tierwohllabels müssen es 25 Tage sein, für die zweite 28 Tage und für die dritte Stufe 35 Tage. Darüber hinaus ist Landwirten in der zweiten und dritten Stufe das Kupieren der Schwänze untersagt. Trän- ken, Einstreu und Belüftung werden bereits nach vier Stun- den Pflicht, nicht erst nach acht Stunden. Wann soll das staatliche Tierwohllabel eingeführt werden? Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geht davon aus, dass die ersten Produkte mit dieser Kenn- zeichnung im 4. Quartal 2020 zu kaufen sein werden. Wer kontrolliert das alles? Die Kontrolle zur Einhaltung der Vorgaben aus dem Tier- wohlkennzeichen übernehmen sowohl private als auch staatliche Stellen. Für Landwirte ist die Teilnahme am Tier- wohlkennzeichen nicht verpflichtend. Entscheiden sich Landwirte mitzumachen, werden die Kriterien sehr wohl verbindlich. Das staatliche Logo „Tierwohl“ nefleisch, später auch für Geflügel gelten.Mit Hilfe beider Labels soll der Kunde erkennen, in welcher Verpackung mehr Tierwohl steckt – und dies durch den Kauf honorie- ren. Wir Verbraucher haben es also selber in der Hand zu ent- scheiden, ob wir bereit sind, tiefer ins Portemonnaie zu greifen, wenn Nutztiere unter angemessener Haltung auf- gezogen werden. gehalten, das als Schnitzel oder Steak das zwei Kennzeichnungen auf Fleisch­ weitere folgt im 4. Quartal 2020. wohl: Fleisch sein? 7 www.dogewo21.de

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