Hafenrundgang

Gastbeitrag von Alexandra Kryaneva

Der Dortmunder Hafen verändert sich gerade stark. Dort und  auch abseits des Wassers, im umliegenden Viertel, gibt es eine Menge zu erleben. Hier stelle ich euch meine Lieblingsroute für einen schönen Hafenspaziergang vor – kommt mit!

Startpunkt ist die U-Bahn-Station “Hafen”. Doch bevor es ans Wasser geht, drehen wir erstmal eine Runde durch das benachbarte Wohnviertel. Folgt der Mallinckrodtstraße nach Osten Richtung Schützenstraße – zum Blücherpark.

Auf dem Weg liegt auf der linken Seite der Balkan Shop. Hier schaue ich gerne vorbei, wenn ich Fernweh verspüre, an unsere Reisen denke und Lust auf die tollen Leckereien des Balkans bekomme – die Auswahl ist super. Wer nicht selbst kochen möchte, sollte ins Restaurant Aida an der nahe gelegenen Schützenstraße gehen. Empfehlung!

Der Blücherpark verläuft als grüner Streifen von Nord nach Süd, von besagter Mallinckrodtstraße bis runter zu den Bahngleisen, die zum Hauptbahnhof führen. Wenn ich hier herumspaziere, muss ich immer an Berlin denken. Wahrscheinlich, weil der Park mitten in einem so urbanen und multikulturellen Viertel liegt.

Besonders spannend finde ich das “Grüne Wohnzimmer” im nördlichsten Teil. Bei diesem Gemeinschaftsgarten, auf die Beine gestellt vom Büro Freiraum- und Quartiersprojekte, darf jeder mitmachen und gemeinsam gestalten. Treffen ist dienstags ab 16:30 Uhr. Zudem gibt es dort den Kindertreff “Kezz”, einen Spielplatz und einen BMX- beziehungsweise Mountainbike-Parcour.

Wer nach oben schaut, wird vielleicht überrascht sein, denn es hängt das ein oder andere Paar Schuhe in den Ästen der Bäume. Wer weiß, wie die dahin gekommen sind, darf es mir gerne bei Instagram verraten – einfach eine Nachricht an @ich_wohne_hier schreiben. :)

Weiter geht es zur Gneisenaustraße, wo sich zwei Dortmunder Institutionen direkt gegenüber liegen: das Subrosa und der Rekorder. In der Hafenschänke Subrosa könnt ihr kickern, quatschen und kleine Konzerte erleben. Die gibt es im Rekorder ebenfalls – genauso wie Partys, Lesungen und Themenabende.

Ein Stück die Straße hoch in Richtung Hafen wartet der nette Second-Hand-Laden für Kinderklamotten und Spielzeug von Wertgeschätzt e.V. auf euch – hier könnt ihr schön stöbern.

An der nächsten Kreuzung, der Ecke zur Clemens-Veltum-Straße, steht ein architektonisches Highlight: Die Stadtvilla Hartmann – auch als Arzthaus Linsmann bekannt – erinnert an den Bauhaus-Stil und ist eins meiner absoluten Lieblingsgebäude in Dortmund. Ich habe gehört, dass es nicht nur von außen ein Hingucker ist, sondern auch innen ziemlich originell sein soll – unter anderem mit einem Bad im Wohnzimmer.

Weiter geht es dann zur Hafen-Promenade. Das Alte Hafenamt ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen Dortmunds und ein fantastisches Fotomotiv – besonders vor dem Sonnenuntergang. Bei Hunger lohnt sich ein Abstecher weiter nach Norden in den Hafen hinein zur Hafenkombüse. Die liegt zwar nicht direkt auf dem Weg, es ist aber sehr lecker dort.

Der erste Abschnitt der neuen Promenade –rund 100 Meter ab der Brücke in Richtung Osten – lässt erahnen, wie dieses Areal in Zukunft aussehen wird: eine Kombination aus authentischem Ruhrpott-Flair und moderner Naherholung. Ich glaube, das Projekt wird die Gegend und unsere Stadt aufwerten.

Fast direkt unter der Brücke legt das Ausflugs- und Party-Schiff “Santa Monica” an. Ich bin zwar noch nicht mit ihr gefahren, aber ich glaube es lohnt sich, den Dortmunder Norden auch mal vom Wasser aus zu entdecken.

Doch erstmal weiter an der Hafenkante entlang: Altbauten, historische Speicher, urbane Graffiti, dazwischen moderne Gebäude – diese Mischung mag ich sehr. Während gegenüber die Verladekräne im Industrielager quietschen und rattern, warten auf dieser Seite des Hafenbeckens Sitzbänke mit bester Aussicht. Das Areal wird bestimmt ein super Spot zum Entspannen und Flanieren.

Ein Stück weiter die Speicherstraße entlangbefindet sich auch mein Lieblingsort, um die letzten Stunden des Tages zu genießen: Es gibt nichts Besseres, als im Umschlagplatz in einem Liegestuhl mit einem Getränk in der Hand zu beobachten, wie sich der Himmel allmählich in allen Schattierungen von Orange über Rot zu Lila färbt.

Diese Open-Air-Gastro ist auch ein schöner Anlaufpunkt, wenn wir mit dem Rad im Norden unterwegs sind – beispielsweise im nahen Fredenbaumpark (dazu später noch mehr). Dann stoßen wir hier gerne auf unsere Touren an.

In der Location nebenan bietet sich die tolle Möglichkeit, die Füße in den Sand zu stecken: Herr Walter ist nicht nur ein umgebauter Party-Kahn, der im Hafenbecken liegt – an Land gibt es auch einen Beach mit Palmen, Strandkörben und kühlen Getränken.

Am Ende der Speicherstraße kommen Fans von Murals und Graffiti auf ihre Kosten – am großen Gebäude des Speichers 100 mit seinem Verein für Kultur, Arbeit und Soziales sowie dem Techno-Club “Maschinerie” und auf der anderen Straßenseite an der “Hall of Fame”, einem Fußweg mit zahlreichen, interessanten Graffiti.

Vom Ende der Speicherstraße aus ist es nicht weit zum Fredenbaumpark. Dort kann ich den Bootsverleih am See genauso empfehlen wie die Gaststätte Schmiedingslust mit Bier und Snacks. Ganz in der Nähe liegt auch das DEPOT mit seinen tollen Ausstellungen, dem unabhängigen Kino “Sweet Sixteen” und dem bekannten Nacht-Flohmarkt.

Im Hafen trifft also Alt auf Neu, Bekanntes auf Unbekanntes, rauer Ruhrpott auf Naherholung, Bötchen fahr'n und Bierchen trinken auf Kunst und Kultur. Ich bin gespannt, wie sich das Viertel weiterentwickeln wird – schaut mal vorbei!

Weitere Einblicke in das Hafenquartier gibt es in der Bildergalerie:


Autorin

Alexandra Kryaneva

Bloggerin aus und über Dortmund sowie darüber hinaus


Blog: www.ichwohnehier.com


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